back in the days….

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Blog, CNBC, Spirit & Soul

geschrieben von Belle

Euch mitzunehmen auf meine Zeitreise, hatte ich versprochen und da sind wir nun….hat ein wenig länger gedauert, das Täschchen zu packen und so……
Wir reisen heut` zum Ursprung meines Kinderwunsches, der schon ziemlich alt ist und einmal wieder einer Revision, einer Evaluation bedarf.
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber manchmal haben Wünsche ja so die Art, sich zu verselbständigen und zur Obsession zu werden…hüstel. „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu binden, ins Dunkel zu treiben…“. undsoweiterundsoweiter..
Und auf einmal stehst mitten in Mordor, die Orks kommen und Du hast eigentlich so gar keine Ahnung, wie Du nun eigentlich hier gelandet bist….hier wolltest Du nie hin, nein, das Auenland war das Ziel….glücklich sein und in Frieden leben, ein Leben, wie Du es Dir erträumt hast….ein kleines Stück vom großen Glück,mehr nicht.

Wie kann es also dazu kommen, dass eine in Mordor landet mit `ner Dose Ravioli und leerem Herzen neben leeren Armen und so viel Liebe in der Seele, dass Du denkst, Du platzt, wenn Du sie nicht teilen kannst, wenn sie nicht fließen darf?
Tja…..bei mir ging die Geschichte so….
1976.
Ein Wintertag in einer bergigen, kargen Gegend.
Das Zuhause meiner Großeltern und Ziel der regelmäßigen Wochenendausflüge meiner Familie.
Meine Tante hatte gerade eine kleinen Jungen bekommen und so waren wir angereist, um Omas leckeres Essen zu geniessen und das neuen Baby anzuschauen, ich war damals noch nicht  oder gerade eben in der Schule.
Nach der Begrüßung und vielen Umarmungen, war es dann so weit….meine Tante brachte ihren kleine Sohn in die Stube und alle dürfen mal kucken, knutschen, halten küssen….ich auch. Und da….war es um mich geschehen…..kein anderer der zahlreichen Nichten und Neffen durfte an diesem Nachmittag mehr das Baby halten, ich konnte es am besten (sagte die Tante) und mir hat es so unglaublich gut getan….ich war…man könnte sagen, im Himmel.
So was tolles hatte ich noch nie vorher erlebt.
So klein, so weich, so niedlich….so alles.
Seine kleine Hand in meiner damals auch noch kleinen Hand….seine Augen, die mich anschauten und von einem Ort erzählten, ohne Worte, einem Ort, der so nah ist und so fern, so allgegenwärtig und so entrückt…die Zeit stand still.
Meine Herz wurde weit, meine Augen wurden groß und alles, was an Sorgen mein Kinderherz plagte, war weg.
Frieden war da. Liebe. Alles war so, wie es sein sollte.
Alles war richtig.
Ich wusste nicht genau, was da geschieht, ich wusste nur eins……das macht mich glücklich. Und ganz. Und ich wusste…das will ich auch.
Wenn ich groß bin.
So glücklich sein.
Und dazu brauchte ich ja dann ein Baby.
Und einen Mann, den das gehörte sich so in der kalten, kargen Gegend hoch oben in den Bergen….da war man nicht ohne Mann mit Kind…oder nur dann, wenn ersterer das Zeitliche gesegnet hatte. Scheidung war der scharlachrote Buchstabe und ein uneheliches Kind sorgte für Ausschluss aus der Gemeinschaft.
Der Cousin würde bis dahin groß sein, das ging also schon mal nicht.
Und meine Tante hatte sehr, sehr klar gemacht, dass sie für`s zur Verfügung stellen weiterer Cousins nicht in Frage kam…sie war ganz klar raus aus der Nummer.
Hm.
Die Frauen trösteten mich dann damit, dass ich ja später selber Kinder und einen Mann haben könne und ich war es zufrieden (Gott, wenn die gewusst hätten……)
Meine Affinität und Liebe zu Neugeborenen und Babies war von diesem Zeitpunkt an….legendär….ich war DIE Babysitterin in unserer Strasse und im Verwandtenkreis.
Ich konnte schon mit 10 Bauchtragegriff, Flaschen wärmen, Kirschkernkissen auf die richtige Temperatur bringen, verloren Schnuller finden, abkochen und steril in die Aufbewahrungsdosen verpacken, Kartoffelbrei herstellen und verfüttern und hatte somit nicht nur einen extrem lukrativen Nebenverdienst, sondern auch unglaublich viel Spaß, ich war glücklich, der Umgang mit Babies und Kleinkindern machte mich glücklich. Und dafür gab es noch Geld und Anerkennung…..was wollte ich mehr….?

Die Unschuldigkeit und das Pure dieser Zeit, diese Quelle meines Wunsches rührt mich bis heute noch und mit eins der schlimmsten Dinge im Kinderwunschprozess war, dass diese Unschuld, die Wunschessenz verloren ging….die Essenz war immer mein Kompass gewesen und als sie in den Schlachten und dem Gemetzel, den Tränen und der Trauer, der Wut und der unsäglichen Einsamkeit verschwand, da….begann die böse Ringmagie zu wirken.
Da kippte es….und es war hässlich. Schmerzhaft, so unglaublich schmerzhaft. Rastlosigkeit befiel mich, die Suche nach dem heiligen Gral war es geworden, die doch nie endete, denn das ist es ja, was eine Suche ausmacht…sie endet nie. Und kann zur Sucht werden. Du kannst darüber Dich selbst verlieren, Deine Weggefährten, Deinen Liebsten und oh, ja, Du kannst dabei Dich und Deine Seele an den Teufel verkaufen.

Und das Gefühl….dieses Glücksgefühl war fort.
Das Geräusch der Einsamkeit und Isolation ist das des Herzens, wenn es bricht und danach narbig verhärtet, ohne dass jemand die Narben mit Liebe anschaut und Dein kostbares Herz schützend in den Händen hält.

Das Geräusch macht Wellen, die Dein ganzes Sein erschüttern, die machen, dass Du taub wirst und blind manchmal.
Die machen, dass Du Deine innere Stimme nicht mehr hörst, die immer noch da ist, aber so leise flüstert, das es so flüchtig ist, dass Du glaubst, Du hättest es Dir nur eingebildet.

Und alles, was Dir im Außen begegnet, erinnert Dich an Deinen Verlust.
Das Glück der anderen, ihre Babies, ihre Kinder. Ihre Familie….das kleine, große Glück.
Sie sehen es zum Teil noch nicht einmal als Reichtum und Glück, aber Du kannst nur darauf schauen und Deine Gesicht gegen die Scheibe drücken, wie im Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhölzern.
Aussenseiterin, Paria, Ausgestoßene, gebrandmarkt.
Allein. Einsam. Isoliert.
Du gehörst nicht dazu.
Stehst draußen im Kalten und das macht Angst.
Du hast Angst zu erfrieren oder bist schon dabei, zu erfrieren.
Oft sind sie gar nicht so zufrieden, wie es Dir scheint, aber das kannst Du nicht sehen, kannst ihre Wahrheit nicht sehen, weil Du sie durch Deine Augen betrachtest, die blind sind, durch die Blizzards und die eisige Kälte.
Und die Narben um Dein Herz werden noch ein bisschen härter, noch ein bisschen kälter wird Dir in der Brust, noch ein bisschen einsamer wirst Du….falls das überhaupt geht.
Dass die anderen Dir zudem noch sagen, dass Du nicht normal bist, nicht dazugehörst, dass – wohin auch immer Du schaust – Dir Deine Nichtzugehörigkeit entgegenschlägt wie die Eisfaust des Nordwindes macht es noch schlimmer…..auch wenn sie dies vielleicht nur tun, weil sie es nicht besser wissen und um sich selbst ihrer Zugehörigkeit, ihres Normens zu versichern um so die Angst vor der Einsamkeit, die auch in den Ecken ihrer Herzen wohnt, zu bekämpfen.
Aber auch diese Tatsache wärmt nicht. Ganz im Gegenteil.

Wenn Du da unten bist, im Eis, am Boden, dann passiert etwas sonderbares…..Wunderbares.
Du bist einsam.
Isoliert.
Auf Dich selbst zurückgeworfen, auf Deinen Kern, Dein Wesen, den Ursprung.
Und ganz tief da unten, unter all dem Schmerz, all der Einsamkeit liegt…noch etwas anderes.
Mehr, viel mehr…..
So unendlich viel mehr.

Davon handelt dann in ein paar Tagen der dritte Teil von meiner Geschichte…..stay tuned…..

Belle

13 Gedanken zu „back in the days….

  1. sweetheart…..

    komm ma bei mich bei…..((((hugs)))))…
    Ja, im Rückzug und im Abstand iegt manchmal viel Kraft und Macht.
    Wer noch nicht in einer solchen oder ähnlichen Situation war, kann unmöglich verstehen, wie schmerzhaft so was ist.
    Und da muss manchmal der Abstand einfach sein, um überhaupt klarzukommen….
    Aber……Liebes, dieser Schmerz ist nicht das Ende.
    Aber so was von nicht.
    Man so gar nicht.
    Hast Teil III Freitag morgen als Frühstückslektüre…..

    xoxo, Belle

  2. Liebe Belle,
    ich wurde mit 13 das erste Mal Tante. Meine Schwester lieferte ihr Kind regelmäßig bei uns ab….das ist jetzt 23 Jahre her. In der Zwischenzeit gab es schreckliche Stürme. Zeiten in denen ich klar sagte: Kinder nie im Leben. Vermutlich eine Art Schutzmechanismus, da meine Geschwister ja Kinder noch und nöcher produzierten…Heute nehme ich Abstand. Mir geht es wie Zweilinien. Ich traue mich fast nicht ein Baby im Arm zu halten…

    Ich bin von diesem Post tief berührt. "Und alles, was dir im Außen begegnet…"
    Ich sauge wieder mal jedes dieser Worte auf. Und warte ebenfalls sehnsüchtig…

  3. Liebe Belle,

    wieder mal ein ganz wundervoll geschriebener und unglaublich zutreffender Text. Ich finde mich hauptsächlich im 2. Teil wieder – als ich Kind/ Jugendliche war, gab es in meiner Verwandschaft keine Babys, Babysitting habe ich nie gemacht und auch diese Begeisterung für Babys, die viele meiner Freundinnen an den Tag legten, war mir immer fremd. Obwohl mir auch immer klar war, dass ich mal drei Kinder haben werde…… Tja, die Klarheit…..
    Danke für dieses (diesen?) Blog, es tut immer wieder gut hier zu lesen und ich freue mich auf und über jeden neuen Eintrag!

    Caro

    1. Liebe Caro,

      danke, wie lieb von Dir!

      Ja, wir finden uns so oft wieder, im Erlebten der anderen, die gar nicht so anders ist und das ist auch gut so, denn auf dieser Reise tut es gut, Gefährten zu haben, mit denen mensch reiten kann, sozusagen..
      Und jede, aber auch wirklich jede hat dennoch ihren individuellen Weg da durch…

      xoxo, Belle

  4. Belle,

    danke, dass Du das alles so wunderbar in Worte fasst. Aussprichst, was ich zum Teil fühle, aber nicht formulieren kann. Es hilft, dies zu lesen.

    Bei mir war es die Geburt meiner Schwester, als ich 14 war, und das Baby in meinem Au-pair-Jahr. Ein Baby zu halten, es zu wickeln oder zu füttern, war für mich etwas ganz Natürliches. Wie vermisste ich mein Au-pair-Baby, als ich nach Hause musste!

    Das Mädchen mit den Schwefelhölzern: welch ein gutes Bild für diese Isolation. Oh, wie platt meine Nase schon ist. Ich möchte meine Stupsnase zurück.

    Ich bin erst frisch durch den Kaninchenbau gepurzelt und daher gerade nicht so hoffnungsvoll… daher umso gespannter auf Teil 3.

    Elaine

    1. Liebe Elaine,

      danke, Du mit dem schönen Namen 🙂 !
      Schön, dass Du uns gefunden hast und dass es Dir hilft, uns zu lesen.
      Wir sind hier ja bekennende Tussis 😉 und auch die äußere Schönheit ist uns nicht egal….daher hoffe ich, dass Du Dich hier wohlfühlst und so nach und nach Deine Nase wieder ihre Ursprungsform annimmt.

      Wir als cnbc hätten zwar die Kohle für `ne Nasenplastik (is klar, nä?)*, aber die geben wir in diesem Fall doch bitte für die ganzen anderen Luxusdinge aus…und warum…?
      Weil`s geht!!

      xoxo, Belle

      *hier ist es auch gern mal sarkastisch, aber nie zynisch, humorvoll, aber nicht albern und wir können oberflächlich und tiefgründig gleichzeitig…

  5. Oh Belle, wie wundervoll geschrieben.

    Bei mir ist die Sehnsucht nach diesem Gefühl zwar viel später erwacht, aber vielleicht nur, weil ich es vorher auch nie nur ein Fitzelchen in Frage gestellt habe. Es war immer sonnenklar, dass ich (mit dem richtigen Mann an meiner Seite) eines Tages Kinder haben würde. Ich habe mit 10, 11, 12 sicher und gelassen jede Menge Babies versorgt. Doch die Misserfolge haben so sehr an meinem Selbstvertrauen gerüttelt, dass ich mich mittlerweile kaum noch traue, überhaupt ein Baby auch nur zu halten.

    "Und die Narben um Dein Herz werden noch ein bisschen härter, noch ein bisschen kälter wird Dir in der Brust, noch ein bisschen einsamer wirst Du….falls das überhaupt geht." Ja, genauso!!! fühlt es sich an. Und ich kann mich nicht dagegen wehren.

    Ich warte sehnsüchtig auf Teil 3!

    Aus den Sümpfen von Mordor grüßt
    ZweiLinien

    1. Liebchen,

      ich weiß.
      Was dieser Schmerz mit einer/einem macht (denn ich denke, den Jungs geht es ähnlich….anders UND ähnlich…) ist so heftig…Mannnmannmann…
      Atmen, meine Schöne, bist nicht allein da draußen….an der Stelle, wo Du gerade bist, habe ich auch geweint…das ist die Wegkreuzung der verlorenen Träume…geh`ganz langsam und vorsichtig…

      Bin bald wieder hier, bis dahin lasse ich Dir die Wolldecke da, damit es nicht noch kälter wird…

      xo and hugs, Belle

  6. Der erste Teil: Sehr viele Parallelen. Rührt mich zu Tränen. Heute sowieso.

    Der untere Teil, der letzte Abschnitt quasi. Der macht Mut. So unfassbar viel Mut. Mut.

    Danke dass du deine Geschichte mir uns teilst, mit mir teilst.

    1. Liebe DscheeBee,

      ich reich`Dir mal ein paar Taschentücher rüber…..take your time, Darling <3!
      Sehr, sehr gerne!
      Immer, wenn ich mein Inneres so nach außen kehre, ist da auch ein wenig Ungewissheit, wie es ankommt bei derjenigen, die es liest…Ihr macht mir diesen Prozess so einfach…danke dafür!!

      xoxo, Belle

  7. Der "erste Teil" geht mir sehr zu Herzen-das Erwachen des Kinderwunsches.Vor meinen inneren Auge kann ich dich förmlich richtig sehen.

    Im" zweiten Teil" finde ich mich wieder.In jedem Wort.

    Wunderschön geschrieben. Wie immer.
    Liebe Grüße

    1. Liebe Frau Pusteblume,

      danke!

      Es war ein wenig seltsam, noch einmal so weit zurückzugehen, aber lohnend.
      Und es rührt mich, dass Du Dich in meinen Worten wiederfinden kannst. <3

      xoxo, Belle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.