Ich habe Ermattung (2)

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Blog, CNBC, Hömma

geschrieben von Belle

Ja, ich auch.

Ich habe mir jetzt die vergangenen Tage den ein oder anderen Artikel, Blogeintrag oder Tweet zum Thema #regrettingmotherhood einverleibt und bin……ermattet.
Vor allendingen aber verwundert.

Was mich daran wundert?
Die blinden Flecken durch die locker drei Siebeneinhalbtonner nebeneinander passen würden, ohne sich auch nur ansatzweise zu streifen…und diese Bild ist fast schon symbolisch dafür, wie dieses Thema diskutiert und wahrgenommen wird….ich sehe wenig vernetztes Denken, wenig Bereitschaft, bei sich zu bleiben…aber ich greife vor, daher nun der Reihe nach…
Die Vorgeschichte darf getrost als bekannt vorausgesetzt werden, hier daher der Originaltext, nur damit`s noch mal aus dem Mund der Autorin selbst hier steht.

Mein Schwerpunkt dabei heute wird sein, Mutterschaft als das gesellschaftliche, kulturelle und historische Konstrukt zu bezeichnen, dass sie ist….there, I said it.

Isa hatte schon vorgewarnt, dass das hier nicht nur nice und cozy werden wird….Schnappatmende nutzen daher bitte das kleine x oben rechts in der Ecke ;-)….

Wir leben alle in einer Welt, in der das Muttersein und -werden als die letze Bastion der Glückseligkeit, die Vorstufe zum Paradies, der Hort der ewigen Liebe und the thing to do im Leben einer Frau gesehen werden und das schon seit Anno Schüppenstiel.
Es ist ein maximaler Tabubruch, diesen Status Quo in Frage zu stellen.
Und so bekommt jede Frau im gebärfähigen Alter, mehrfach und in diversen Variationen von vollkommen Fremden oder ihr nahestehenden Menschen hierzu Fragen gestellt, wird gehalten, sich zu positionieren, muss sich und ihre Eierstöcke nackig machen oder hat eben genug guts, um sich dieser oft sehr indiskreten Frage zu erwehren.
(Männer fragt man so was nicht. Guck an.)
Bei Bewerbungen sind Fragen dieser Art unzulässig und dürfen nicht gestellt werden bzw. die Gefragte muss nicht antworten oder darf sogar ungestraft die Unwahrheit sagen, so sie zu ihrer Familienplanung befragt wird.
Das könnte uns zu denken geben…tut es aber nicht.
Klingelt was?

Weiter im Text.

Ab irgendeinem Zeitpunkt bilden sich in diesem Kontext Gruppen….

Gruppe eins ist Mutter oder wird es gerade,

Gruppe zwei möchte Mutter werden, aber tut sich schwer damit,

Gruppe drei hat entschieden, dass sie das gar nicht wollen und das dies nicht ihr Weg ist.

Gruppe eins sollte nun glücklich und zufrieden mit Kind vor der Brust in den Sonnenuntergang reiten, so will es das Idealbild.
Gruppe zwei soll nach Meinung des Idealbildes alles menschenmögliche tun, um möglichst schnell den Ritt in den Sonnenuntergang anzutreten und das bitte still, im heterosexuellen, verheirateten Kontext und diskret. Wo kommen wir denn sonst hin, bitte?!
Gruppe drei ist nach Meinung besagten Idealbildes hochgradig verdächtig, unfassbar egoistisch und eigentlich nicht gesellschaftskompatibel, oder wenn, dann nur insoweit, dass sie doch bitte von ihren Steuern das Kindergeld beischaffen, um den ersten beiden Gruppen die Teilnahme am Idealbild zu ermöglichen. Das ist die einzige Funktion, die ihnen zugestanden wird.
Realiter ist Gruppe eins oft einfach nur durch  (im Sinne von vollkommen erschöpft) und versucht irgendwie alles unter einen Hut zu kriegen und beginnt sich langsam, gegen oft erhebliche innere und äußere Widerstände vom Rama-Familienideal zu lösen, weil sie merken, dass es SO man gar nicht funktioniert und alle Beteiligten nicht glücklich dabei werden. Oder bleibt im Hamsterrad, lächelt und winkt und wünscht sich in die Zeit zurück, als es „mothers little helpers“ noch rezeptfrei inne Apotheke gab. Oder bloggt, twittert, instagrammt gephotshoppte Familienidylle, bei der allen Lesern klar ist, dass das nur ein kleiner Ausschnitt der Alltagsrealität ist.

Gruppe Zwei…..ihr wisst es. Lebt es. Leidet es. Überlebt es hoffentlich. Tut nicht jede, manche bleiben auf der Strecke…wird nur nicht so gern drüber geredet, ebensowenig wie über die bisher noch immer vollkommen unbekannten Spätfolgen der Repromedikamente….es wird von einem erhöhten Risiko für Ovarialkrebs gemunkelt, aber nix genaues weiß man nicht und will es auch gar nicht so genau wissen…..

Gruppe drei ist hoffentlich so schlau und ist in gewisser Weise abgetaucht und macht sich das schöne Leben, was ihnen stereotyp ja eh unterstellt wird und hat idealerweise mit all den Dramen nix am Kleid.
Bisweilen werden Mitglieder dieser Gruppe Staatsoberhäupter oder Konzern-CEO`s, aber das hat man ja immer gewusst, nä?! Alles Feministinnen und Karriereweiber.

Klingelt jetzt was?

Und nun ist da diese Studie…..die stellt das Ideal in Frage….ja, was soll das denn bitte????
DAS geht aber doch nu wirklich nicht!!!
Diese….Frauen….die wollen gar nicht.
Mutter sein.
Und die sagen das auch noch.
Die armen Kinder von denen, das geht doch nicht!!!!

Doch, meine Damen, das geht.
Weil es eben die Realität ist, von diesen Frauen und wahrscheinlich noch vielen nicht gefragten, Stummen mehr.
Weil sie es satt hatten, sich zusammenzureissen, auf den Rücken zu legen und an England zu denken, will sagen, weiter Teil des uralten Unterdrückungsystems zu sein, dass schweigt, zum Schweigen gebracht und schweigend gehalten wird.
Reden wir nicht drüber, Dann verschwindet es ganz bestimmt.
Wartet kurz…..nicht.

Frauen sind übrigens ganz hervorragende Er-Schaffende und Partizipanten an diesem System, wir brauchen die Jungs schon lange nicht mehr, um uns klein zu halten, das haben wir toll internalisiert und können es mittlerweile selber besser als sie….das Verteilen von scharlachroten Buchstaben und das Ausgrenzen, Entwerten und Verurteilen….wir nehmen auch gern – da wird`s dann ganz perfide – oft noch unsere Kinder argumentativ und sie instrumentalisierend mit ins Boot….ganz, ganz großes Emodrama dann…..

Aber weiter mit den 23 Frauen….
Weil sie sich dem Totschlägerargument „ja, aber die Kinder….“ entzogen haben.
Weil sie das Paradoxon leben, sich nicht vor ihren Gefühlen verpissen (sorry, aber Klartext muss hier mal!!), ihre Kinder zu lieben UND zu bereuen, dass sie ihren anderen Lebensentwurf nicht gelebt haben.
Weil sie es – ganz im Gegenteil zu jeder, die über sie urteilt – über Jahrzehnte (die älteste Studienteilnehmerin ist 70) geschafft haben, dieses innere Spannungsfeld auszuhalten, ohne den Verstand zu verlieren und weil sie, als sie die Gelegenheit dazu hatten, mutig genug waren, sich zu äußern.
Weils verdammt noch Mal Zeit wurde.

Weil mittlerweile auch der Letzten von uns klar sein müsste, was auf der Hand liegt:
Wir haben ein vollkommen unreelles, verschobenes, romantisiertes, teilweise gefährliches Bild rund um das Thema Mutterschaft gebaut, an dem auf allen Seiten Frauen drohen, zugrunde zu gehen.
Wir drücken uns die Nasen an den Scheiben platt und schielen neidvoll mit spitzem Mündchen auf die jeweils andere.
Wir machen den Nullabgleich für unser Leben, unser Glück  und unseren Erfolg an diesem Ideal.
Wir sind so verdammt beschäftigt damit, diesem Ideal hinterher zu hecheln, dass für oft nicht viel anderes Zeit bleibt, wir uns verlaufen, unglücklich fühlen und denken, wenn wir nur das Ideal erreichen, dann wäre alles tutti. Ehen gehen dabei über den Jordan, ebenso Freundschaften und enge Beziehungen und auch oft unsere Integrität.
Wir dissen  uns gegenseitig so dermassen, beschimpfen uns passiv-aggressiv und mit geheucheltem Verständnis, dass wir mit der Menge an unterdrückten Aggressionen mühelos ein großes Bundesland beheizen könnten.

Wir machen nur eins nicht – das Konstrukt infrage stellen und sei es nur ganz leise.
Weil wir dann uns auf andere Weise infrage stellen müssten und vermuten (es ist nicht so!), wir müssten auch unsere ganze Familienbiographie in Frage stellen.
Wir müssten ein Gesellschaftssystem in Frage stellen….und dazu braucht es Eierstöcke, in die wir uns lieber gegenseitig treten.

Wir müssten auch ran ans Tabu, das heißt auch fast immer ran an den Schmerz. Die ganzen hässlichen, nicht salonfähigen Gefühle, die wir ja als „gute Frau, guter Mensch, gute Mutter“ nicht fühlen dürfen…will sagen, unser Selbstbild geriete in bedrohliche Schieflage.
Dann müssten wir auch noch diese Gefühle aushalten, darin sitzen, in dem Wissen, dass es uns nicht um- sondern weiterbringt.

Wir müssten aufhören, Schnappatmung zu haben, wenn wir da sitzen, in unseren nicht salonfähigen, mit dem Idealbild nicht kompatiblen Gefühlen, sondern liebevoll mit uns umgehen und einen Weg damit finden.
Wir müssten aufhören zu projizieren und unseren Mist vor andere Haustüren zu schaufeln.
Wir müssten zu uns stehen.

Eigentlich haben uns die 23 etwas ganz Wertvolles geschenkt, gerade auch uns cnbc……die Gelegenheit, uns selbst in diesem Mutterkonstrukt zu verorten und zu schauen, ob ich da, wo ich gerade bin, mich wirklich wohlfühlen, und wenn nicht, woran es wirklich liegt, welche Gefühle davon meine sind und was davon ich von klein auf vorgelebt/-gesagt bekommen habe und was mit mir nicht zwingend etwas zu tun haben muss- kurz…wir hätten die gewaltige Chance, eine großen Schritt in Richtung Eigenverantwortlichkeit zu gehen und uns aus der Opferhaltung, die dem cnbc-sein sehr oft inhärent ist und über die AUCH keine in diesen Kreisen gern spricht wegzubewegen.

Es gehört dazu, die Wunden zu heilen, die der jahrelange Kinderwunsch hinterlassen hat, das ist absolut unbestritten, das muss!
Genauso unbestritten ist jedoch, dass es nicht bei der Identifikation mit dem Schmerz bleiben darf, denn sonst fliegt Dir im Nachgang die Ka**e nach vorn in den Ventilator und dann wird hässlich und übelriechend mit einem extrem hohen Verteilungsquotienten.
Jeder cnbc, die hier jetzt das Mutteridealfähnchen mitschwenkt, der muss bitte vollkommen klar sein, dass sie massiv unter eben dieser Gruppenideologie gelitten hat und/ oder noch leidet, deren Lied sie jetzt singt.
Und wenn sich der Sturm rund um #regrettingmotherhood gelegt hat, wird sie aus dieser Gruppe wieder die gleichen Sprüche hören, das gleiche Unverständnis erleben, dass sie schon vorher zermürbt hat….das muss echt bitte klar sein.
Das hat für mich was von diesem leicht masochistischen Phänomen, dass ich von mir aus Kinderwunsch-Anfangszeiten kenne……die Phase, wenn Du Dich mit Dammriss, Stillproblemen, Kinderwagen und Wassergeburten besser auskennst als Deine schwangere beste Freundin…..und ich kann sagen, es tut nicht gut und macht auch nicht schwanger…..echt nicht.
Hab`s ausprobiert.
Ich war echt eine super integrierte cnbc, wenn ich recht bedenke…..;-)…

Aber ich schwoff ab…..

Fazit: solange ich mich als Frau in dieser Diskussion weigere, mit meine tiefen Gefühlen auseinanderzusetzen, gefühlsmässig bei MIR zu bleiben und mir und meinem Gegenüber den Respekt des echten Zuhören verweigere, solange ich nicht bereit bin, tief nachzudenken und mal in Ruhe in mich zu gehen, solange wird das Ideal/ Konstrukt fortbestehen, viele werden weiter darunter leiden und wir werden im Kollektiv scheitern.
Als cnbc.
Als cbc.
Als Mutter.
Und…und das in allererster Linie- als Mensch.

Wär`schade drum.

Belle

38 Gedanken zu „Ich habe Ermattung (2)

  1. und belle, superlieben dank für die suche nach dem originaltext!! den sollte man zumindest in teilen mal lesen, dann wird vieles klarer. z.b. die trennung von object (child) und maternal experience.
    der einfluss sehr diverser faktoren, z.b. hat eine kinder bekommen, weil es eben ihr partner wollte.
    dann der reproduktionsdruck, der aus nationalistischen und rassistischen gründen auf den jüdischen frauen lastet – begründet auf die erfahrung des holocaust und den konflikt mit den (sehr reproduktiven) palästinensern.
    und sehr berührend eine stelle, in der es darum geht, wie es ist, in einer rassistischen gesellschaft ein schwarzes kind mit locken zu bekommen. der schmerz zu sehen, wie sich in dem eigenen kind der eigene schmerz wiederholt.
    häufig die beschreibung des "loss of self, loss of freedom" – verlust.
    das gefühl, abnormal zu sein.
    usw.usf.

    und so verschieden die gründe oft auch sind: das gefühl von tiefer aufrichtiger reue eint sie. und zwar reue – nicht das etwas sanfter erscheinende, leisere bedauern, das sich letztlich arrangiert.
    sondern der wunsch, etwas rückgängig machen zu wollen, das nicht mehr rückgängig zu machen ist. "impossible to repair", wie es eine frau ausdrückt.

    liebe grüße,
    e.

  2. Ich glaube auch nicht dass alle ein Rama Idyll als eigenes Phantasiebild im Kopf haben und dann zwangsläufig an der Realität verzweifeln… Ich denke dass hier v.a. auch mit reinspielt, dass bei nicht wenigen Kinderwunsch auch einem Erwartungswunsch entspricht und zu wenig im Vorfeld reflektiert wird was davon wirklich eigenen Vorstellungen vom Leben entspricht… Es gilt als "normal" Kinder zu wollen wie ja auch Badinter schonmal feststellte…. Da lassen viele leise Zweifel vermutlich gar nicht erst zu… Und bemerken es dann eben zu spät dass Mutter sein gar nicht ihres ist… Das beschreiben cbc ja oft, dass man sie mit ihrer Entscheidung nicht in Ruhe lässt und immer wieder erklÄrungszwang besteht…
    Darüber hinaus stimme ich dir auch zu dass man sich manche Dinge einfach vorher auch nicht bis ins letzte vorstellen kann… Und daher bleibe ich bei meinem Statement dass man jede lebensentscheidung am Ende bereuen kann…
    Aufgabe einer bereuenden oder bedauernden Mutter wäre, das ganze für sich zu integrieren… aber das ist immer der 2. Schritt… Die Heilung der Gefühle…
    Regrettingfatherhood… Wird täglich gelebt würde ich sagen und ist gesellschaftlich toleriert… Überstunden, freiwillige Dienstreisen, Hobbykeller, stundenlanges Jogger gehen… 🙂 LG Isa vom Smartphone und nicht eingeloggt 🙂

    1. Liebe Hanni,

      ich frage mich jetzt gerade, was Du damit genau sagen willst ?:

      "Erstens: Warum man sein Muttersein bereut, verstehe ich trotzdem nicht. Jeder Schritt im Leben macht uns zu dem Menschen, der wir sind. Und wenn ich mich so mag wie ich bin, dann gehört diese Entscheidung mit allen Konsequenzen eben auch dazu. Den wenigsten wird diese Rolle schließlich aufgezwungen"

      Das klingt wie: "heul leise, Chantalle".
      Ich glaube auch nicht, dass die Frauen nicht zu sich stehen, weil sie eine gewisse Reue verspüren. Im Gegenteil, ich glaube sogar, dass man hundertprozentig zu sich selber stehen muss, um solche ambivalenten Gefühle überhaupt zulassen zu können – statt sie zu verleugnen.
      Und ich glaube, dass genau in diesem Punkt viel mehr verleugnet und gelogen wird, als dass Frauen dazu stehen.
      Aber erst wenn ich etwas erkannt und benannt habe, kann ich es als Erfahrung in mein Leben integrieren. Und selbst dann kann am Ende ein leises Bedauern bleiben über das andere, das nicht gelebte Leben.
      LG, Isa

    2. Hallo Isa,

      Du hast Recht mit dem was du sagst. Boah echt schwieriges Thema. Ich verstehe durchaus, dass sich jemand in die Mutterrolle nicht einfindet. Schließlich kann man das ja nicht in einem Probeabo vorher mal testen. Aber ich für meinem Teil könnte nicht trennen zwischen Muttersein und Kind.

      Zitat :"Ich bereue es, Kinder bekommen zu haben – aber ich liebe die Kinder, die ich bekommen habe. Ich wünsche mir nicht, dass sie nicht hier wären, ich möchte einfach keine Mutter sein."
      Das eine zieht nunmal das andere zur Folge. Kein Kind ohne Mutter. Wie diese Mutterrolle allerdings dann schließlich gelebt wird, ist von unserer Kultur und vom Zeitalter beeinflusst.
      Z. B. In Skandinavien ist es ganz normal, arbeiten zu gehen und die Kinder zur Kita zu geben. Das ist hierzulande immer noch nicht üblich.
      Auch unterscheidet sich die Mutterrolle heute von der Mutterrolle der 50er Jahre. Aber ich lebe im hier und jetzt und kann nur aus meiner Sicht heraus eine Situation beurteilen. Ich mag verstehen, dass jemand in dieser Rolle nicht aufgeht oder überfordert ist. Aber wie kann ich mein Kind lieben ohne seine Mutter zu sein? Die Frauen hätten sagen sollen, dass sie die Mutterrolle so nicht hätten leben wollen.

      Faszinierend wie eine Studie mit nur 23 Frauen, grenzüberschreitend sehr viel mehr Frauen zum denken anregt.

      Liebe Grüsse
      Hanni

    3. Nein – das Thema ist sicher nicht einfach und die dadurch ausgelösten Diskussionen finde ich unheimlich wichtig. Auch wenn sie schon jetzt wieder fast der Vergangenheit angehören – manchmal ist Veränderung einfach ein langer Prozess. LG, Isa

  3. ja, das ist wohl wahr und wurde in diesem blog auch schon oft angesprochen, glaube ich – die selbstverantwortlichkeit kann leicht in machbarkeits- und kontrollwahn umschlagen.
    ich für mich finde es grad interessant – auch durch 2liniens worte – festzustellen, dass ich selber nie das ramabild im kopf hatte, wahrscheinlich, weil sich auch durch meine familie das anti-rama-drama zieht. ich habe miterlebt, wie meine mutter auf rama-komm-raus (höhö, reichts aber) das idealbild leben wollte, aber irgendwie war die dose dann leer oder was ganz anderes drin, worüber sie lang enttäuscht war.
    und da gehts mir ähnlich wie 2linien: diese enttäuschung fand ich als kind sehr schwer aushaltbar. hat mich dann aber wiederum dazu gebracht, von anfang an aller rama zu misstrauen. was grundsätzlich positiv ist, aber man nimmt sich vielleicht auch was damit – denn ist ja auch mal schön mit rosaroter brille zu schwelgen.
    allerdings glaub ich auch, dass die kinder der 23 das alle unterschiedlich empfinden. und auch die 23 wohl nicht alle nur am rama-bild verzweifeln, sondern eben nicht damit gerechnet haben, dass sie als frau dennoch mit kindern einfach nicht so viel anfangen können.
    das kann man vorher einfach auch nicht wissen – irgendeine schrieb zu ermattung 1, dass sie das mit dem mutter-sein schon vorher alles durchspielt und daher weiß, was auf sie zukommt – ich glaube: you'll never know!

    und bin gespannt auf deine fragen und fragezeichen zu regretting fatherhood, belle… ich wälz das auch grad.

    bisous, e.

  4. Ich glaube ein weiteres Problem bei der ganzen Sache und Diskussion ist eine Haltung, die sich insgesamt auf unser heutiges Leben ausgebreitet hat, nämlich: "Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied". Das klingt erst mal toll und selbstbestimmt, es bedeutet aber auch, wer eben nicht glücklich ist, hat selbst Schuld.
    Der hat nicht genug gekämpft, hat nicht die richtigen Weichen im Leben gestellt, war zu schwach/unfähig oder auch gern umgekehrt, hat nicht genug auf sich selbst gehört und "Pausen gemacht", auf den eigenen Körper und Geist geachtet.
    Versteht mich nicht falsch: wie alle haben großen Einfluss auf unser Leben und unsere Entscheidungen, aber eben nicht immer und nicht in allen Bereichen.
    Elternschaft war lange Zeit keine bewusste Entscheidung, das ist etwas, was wir nach "nur" 60 Jahren hormoneller Empfängnisverhütung ziemlich schnell vergessen haben. Da war tausende von Menschheitsjahren nix mit "so-jetzt-sind-wir-verheiratet-haben-eine-gefestigte-Beziehung-und-ein-Haus-und-eine-Karriere-und-fühlen-uns-bereit-für-ein-Kind". Da kamen die Kinder wie sie eben kamen oder eben auch nicht. Heute ist die Idealvorstellung so, dass Kinder zu bekommen oder auch keine Kinder zu bekommen, eine selbstbestimmte und inviduelle Entscheidung ist. Und damit wächst natürlich auch der Druck, sowohl für Mütter als auch für Nicht-Mütter. Wie kannst du unglücklich sein, wenn du dich selbst für das eine oder andere Modell entschieden hast? Ich glaube diese Grundhaltung spielt eine entscheidende Rolle bei der Idealsierung der Mutterrolle!

    1. ja, da hast du sicher recht. Dieses "hast Du doch so gewollt" spielt sicher oft mehr oder weniger unterschwellig eine Rolle in der Be-/Verurteilung durch andere.

      Die Reaktionen auf die gewählten Entscheidungen folgen so oder so meistens dann aber dem pro-Familien-Ideal: Mütter haben das nicht zu bereuen, bzw. da besteht oft totales Unverständnis….während kinderlose Frauen andauernd gesagt bekommen, dass sie ihre Entscheidung aber irgendwann im Leben auf jeden Fall bereuen werden.

      Ich fände es gut, wenn jeder einfach bei sich selber bliebe und sich die Leute nicht immer zum Maßstab aller Dinge in ihrem eigenen Erleben machen würden.
      LG, Isa

  5. Ihr Lieben,
    eure Blog ist so unbeschreiblich toll!!! Ich bin hin und weg – ihr redet mir in manchen Dingen wie aus der Seele. Aber leider ist es bei mir bzw uns noch so, dass wir uns vom Kinderwunsch noch nicht ganz verabschieden können. Ich bin 3x auf ganz natürlichem Weg schwanger geworden und habe leider alle drei Kinder verloren. Wir waren in keiner Klinik, habe keine Hormonbehandlung hinter uns. Die Gründe gür die Fehlgeburten kennt keiner. Aus medizinischer Sicht gibt es keine.
    Wir versuchen nun Pro und Contra gegenüber zu stellen. Kind ja oder Kind nein? Bisher ist unser Leben super schön! Sollen wir alles nochmal riskieren ohne zu wissen, was draus wird? Oder was wir bekommen? Mit Kind ändert sich das ganze Leben. Muss sich unser überhaupt ändern? Wir sind doch auch so glücklich! Trauen wir uns nicht, gewollt kinderlos zu bleiben? Oder wollen wir doch ein Kind? Fragen über Fragen, die uns keiner beantworten kann. Und mit we sollen wir drüber reden? Mit Freunden die alle Kinder haben bzw bald ein bekommen? Wohl eher nicht… Es ist schwer, sehr schwer! Aber ich bin so froh euren Blog gefunden zu haben!!!
    Liebe Grüße
    Emma

    1. Liebe Emma,

      danke Dir – und ich freue mich sehr, dass du uns im Netz gefunden hast !
      Es tut mir sehr leid, dass auch Du 3 Kinder gehen lassen musstest !

      Ich kann glaube ich v.a. einen Punkt ganz gut nachvollziehen aus meiner Historie heraus – ich wurde ja nach x erfolglosen Behandlungen dann auch plötzlich 3 mal spontanschwanger.
      Wenn man sich dann überlegen muss, ob man es weiter versucht oder nicht, dann muss man ja automatisch auch über das Thema Verhütung nachdenken, wenn man in Richtung "aufhören denkt".
      Das wirkte (und wirkt auf mich bis heute) gefühlt auch AKTIVER als das Aufhören der medizinischen Behandlungen. Und damit erscheint das Ende irgendwie so "gewollt". Eben gewollt kinderlos. Obwohl man doch eigentlich Kinderwunsch hat.

      Darin liegt aber auch ein Denkfehler. Eben weil das Ende ja ungewiss ist. Und eben nicht klar ist, dass irgendeine der potentiellen weiteren Schwangerschaften auch in einer Geburt enden würde.
      Und in dem Punkt ist es letztlich auch wieder vergleichbar mit den Kinderwunschpatientinnen, die darüber entscheiden müssen, ob sie noch einen Versuch unternehmen mit IVF/ICSI oder nicht….

      Diese Entscheidung eines Tages vielleicht treffen zu müssen – ohne auf das Ende geguckt zu haben. Aus der Ungewissheit heraus einen Weg wählen zu müssen. Das ist champions league 🙂 Für alle.
      Ja, es IST schwer.
      Versuch auf Dein Bauchgefühl zu hören. Pro und Contra = Kopf. Herz = Kinderwunsch. Dein Bauchgefühl, Deine innere Stimme = die weiß, wo es langgeht. Es dauert nur manchmal ein wenig…bis man sie versteht.

      Ich wünsche Euch einen guten Weg !
      Bis bald.

      Alles Liebe,
      Isa

  6. Ja…ich habe mich schon immer daran gestört, dass das Muttersein so glorifiziert wird. Woher das kommt weiß ich nicht. In unserer deutschen Vergangenheit propagierte man ja bereits die Frau als "Quelle der Nation" zur Erhaltung des Volkes. Einziges Ziel und Zweck der Frau sei das Muttersein. Mit meiner Gebärfreudigkeit hahaha hätten die damals ihre helle Freude gehabt. Aber nunja… Da haben wir nun den Schlamassel. Die Frau soll Kinder kriegen und damit glücklich sein. So einfach ist das halt nunmal nicht.

    Ich verstehe aber nicht, wenn doch dieses Muttersein nicht so supi ist, warum wollen es dann alle… Und warum wollen alle, dass Frauen das wollen? Ich bereue es noch nicht, den KiWu-Weg gegangen zu sein. Ich kann aber auch nur für mich sprechen. Aber ich kann auch sagen, dass das Muttersein nicht diesem Heileweltklischee entspricht. Doch eben dieses Klischee ist so tief verwurzelt in uns. Da spricht man nicht dagegen. Das gehört sich nicht, gelle!? Ich habe als KiWu-Frau niemals glorifiziert und habe mich tatsächlich vor jeder Behandlung gefragt, ob ich das wirklich möchte. Das ist echt total wichtig und sollte zur Pflicht werden.

    Was ich eigentlich sagen möchte:
    Erstens: Warum man sein Muttersein bereut, verstehe ich trotzdem nicht. Jeder Schritt im Leben macht uns zu dem Menschen, der wir sind. Und wenn ich mich so mag wie ich bin, dann gehört diese Entscheidung mit allen Konsequenzen eben auch dazu. Den wenigsten wird diese Rolle schließlich aufgezwungen.

    Zweitens: Vermutlich huldigt die halbe Weltbevölkerung (oder sogar die ganze) der "Mutter". Das setzt einerseits diejenigen, die es nicht sind, unter Druck. Aber eben auch die, die es sind. Perfekt ist weder der eine noch der andere. Trotzallem wird wohl die Gesellschaft nicht damit aufhören. Blödes Spiel. Ist wie bei dem Restaurant zur "goldenen Möwe". Keiner mag's und jeder geht hin.

    Huch… Ich leide wohl unter verbalem Diarrhoe. Jetzt isses doch etwas länger geworden und ich bin total abgeschweift. Naja… Aber wie ihr so schön sagt, wer es nicht lesen möchte, oben rechts bitte das x betätigen.

    Übrigens schön, das es solche tiefsinnigen Blogs gibt und nicht nur die "alles supi, die Welt ist rosa und die Sonne scheint aus dem Popo"-Blogs.

    Hanni

  7. Liebe Maren,

    ich auch. Oh ja, ich auch……
    Und ich hatte Rama-Bildchen vor den Augen, wider besseren Wissens….es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mich von dieser Illusion verabschieden konnte, aber als es dann soweit war, da war ich frei und wie bei Dir so nahm auch bei mir, je weiter ich mich entferntem Ideal und wieder ankam bei mir der Neid ab, die Sehnsucht.
    Sehnsucht nach meinen beiden Kindern spüre ich noch immer und auch die Fragen, wie es wohl wäre, wären sie jetzt hier bei mir….auch Bedauern eben dieses leben nicht gelebt zu haben, nicht gelebt haben zu können…bittersweet nennt Isa diesen Fühlszustand gern, was auch für mich passt.
    Und der Satz Deiner Uroma ….awww….Wissen der Alten, wertvoll und fast immer mit diesem liebevollen Humor in der Stimme serviert, mit dieser wilden Liebe und Zuneigung…priceless.
    Danke fürs Teilen <3!
    xoxo, Belle

  8. Liebe Belle,
    so gerne hätte ich ein Kind bekommen. Oder auch mehrere. Ich idealisiere nicht, habe auch kein Rama-Bild vor Augen und habe mit meinem Kinderwunsch abgeschlossen. Jede Emotion und jede Kognition habe ich hinter mir und ich glaube aus Erfahrung heraus sagen zu können: Es gibt nichts (keine Kognition, keine Emotion, kein Verhalten, keine Überzeugung), was es nicht gibt. Ich bin felsenfest überzeugt, dass es (zumindest im zwischenmenschlichen Bereich) alles gibt, was wir uns in unserem Hirn vorstellen können. Selbstverständlich muss es da auch Mütter geben, die ihr Mutterdasein in Frage stellen oder sogar bereuen. Und je mehr ich mich von dem Thema „Kinderwunsch“ entferne, umso weiter entfernt sich auch der Neid, die Sehnsucht. Ganz selten kommen bei mir Gedanken hoch, dass das ja doch ein bisschen ungerecht ist: Dass auf der einen Seiten kinderlose Paare sitzen, die sich ein Kind wünschen und auf der anderen Seite Eltern, die ihren Lebensentwurf mit Kind so doch nicht haben möchten. Da höre ich im Geiste still meine Uroma: „Mein Schieter, wer sagt, dass das Leben gerecht ist?“ Ist es nicht. Und ich ziehe meinen Hut vor den Ladys, die sich trauen, offen aus der gesellschaftlichen Norm in ein gleißendes unbarmherziges Licht zu treten, unter dem sie ahnen können, dass sie für ihre Worte nicht nur Lob abbekommen. Mit tut jede Frau und jeder Mann gut, der sich in der heutigen Zeit traut, raus aus dem Idealbild zu treten und aufzuzeigen, dass das Leben – egal mit oder ohne Kind – nicht immer lecker Zuckerwatte ist.
    Liebe Grüße von Maren

    1. Liebe Maren,
      das wird dich jetzt total überraschen …..!! *grins*

      Ich würde das gerne so unterschreiben wollen.

      :-))))

      xoxo, Isa

  9. Liebe ZweiLinien,

    stimmt, regret übersetzt sich sowohl als Reue, als auch als Bedauern.
    Und ich stelle nicht nur jetzt, sondern generell immer wieder fest, wie wichtig es ist, die Texte nach Möglichkeit in der Sprache zu lesen, in der sie die aAutorin oder der Autor veröffentlicht hat…es macht oft einen großen Unterschied.
    Danke dafür, dass Du Dich trotz Ermattung noch mal ins Original vertieft hast und ich freu`mich darüber!
    Ja, meistens triggern uns am extremsten Worte oder ein Kontext, den wir so oder ähnlich selbst erlebt habe, da gehen wir alle (davon kann sich keine freisprechen imho) am stärksten in Resonanz.
    Wenn dann nicht klar ist, dass es eben ein trigger ist und das, was gerade passiert, nicht wirklich etwas mit dem Ereignis, was in mir seinerzeit den Trigger gesetzt hat zu tun hat, sondern mit mir und meinem Erlebten nicht zu tun hat….dann kann es zu gedanklichen Verwicklungen kommen und sehr unübersichtlich werden…
    Wenn mir aber klar ist, dass mich da was piekst, dann kann das auch eine Riesenchance sein…..PAIN = pay attention inward now.
    Es könnte z.B. ja auch sein, dass die Kinder der 23 es anders empfinden als Du vermutest….die Möglichkeit besteht. Und nicht nur theoretisch…
    Was mich mal sehr bewegt hat, war die Erkenntnis beim Durchblättern alter Fotoalben….bevor meine Mutter meine Mutter wurde war sie Kind, junges Mädchen, Teenager, junge Frau….so, so viel. Mit eigenen Träumen, Hoffnungen, Ängsten und Vorstellungen davon, wie ihr Leben sein sollte….
    Sie war…ein Mensch. Ich konnte sie erstmals jenseits ihrer Rolle als meine Mutter sehen und das hat unserer Beziehung sehr, sehr gutgetan. Es war weder für mich noch für sie gut, sie nur in ihrer Rolle als meine Mama zu sehen, das war zu einschränkend und auch mit nicht ausgesprochen Erwartung auf beiden Seiten verknüpft…nicht so toll.
    Auch hier sind sie und ich in die beschreiben Mütteridealfalle getappt, die sich vorwiegend aus oft wirklich wenig realistischen Erwartungen nährt, zumindestens dann wenn das Kind ein gewisses Alter erreicht hat, in dem es Schuhgröße 35/36 entwachsen ist…
    Sie wurde so irgendwie ganzer für mich. Und all ihre anderen Facetten hatten auf einmal ein Gesicht und eine Stimme…
    Weiss jetzt nicht, ob´s wirr ist, sende es aber trotzdem und …

    xoxo.

    Belle

    1. Liebe ZweiLinien,

      ich nochmal…..nach einer Nacht drüber geschlafen und dem Sortieren der Gedanken…
      Ich möchte mich bei Dir entschuldigen, denn ich bin in meiner Antwort von gestern harscher gewesen, als ich es sein wollte, das tut mir sehr leid, ich wollte Dich nicht verletzen.
      Da war ein Trigger für mich drin und ich war ganz deutlich nicht cool…..und dann wird es, wie ich schon schrieb unübersichtlich und uncool…
      Ich habe den Fehler gemacht, Dei Erleben nicht so stehen lassen zu können und hatte die nicht ausgesprochene, geschriebene Erwartung, dass Du anders fühlst, als Du nun mal eben fühlst.
      Nicht.ok.von. mir!!!!
      Und daher nehme ich jetzt eine große Portion meiner eigenen Medizin und sitze hier in meinem Gefühl, was ich verspreche von Deinem Erleben trennen und höre zu- falls Du etwas dazu sagen magst.
      Damn……und nochmal sorry!

      xoxo, Belle

    2. Liebe Belle,

      alles gut – kein Grund für die Zerknirschnung. Ich finde es ja gut, dass hier Klartext gesprochen wird, denn ihr fordert uns, fordert mich genau das zu tun, was ihr auch tut: PAIN = pay attention inward now

      Für mich war das Gedenke mit meinem Kommentar noch lange nicht zu Ende. Und glaub mir, in meiner Familie ist schon ne Menge Mist durch den Ventilator verteilt worden. Über Generationen hinweg. Und das Anti-Rama-Familienbild zieht sich wie ein roter Faden dadurch.

      Und vielleicht würde ich eben genau das weitergeben, wenn ich Kinder hätte – und am Ende, mit 70 Jahren und X Kindern, sagen: ich bedaure …

      Da siehst du, wohin dieser Austausch führt. Danke! Auch an Isa.

      Danke, fürs an den Abgrund führen und festhalten beim reinschauen. Danke dafür, dass wir auf dieser Ebene diskutieren, uns austauschen und uns selbst besser kennenlernen können – wenn wir wollen und nicht das X oben rechts drücken.

      Ihr seid eine echte Bereicherung.

      LG
      ZweiLinien

    3. Liebe 2Linien,

      Du hast mich neulich gefragt, ob ich meine, dass Dein Trigger Neid auf die Mütter oder so sein könnte…Nein, das meinte ich nicht…:-)
      Ich hatte gar keinen speziellen Trigger im Kopf – das wäre meinerseits ja alles Spekulation gewesen. Ich hatte nur das sehr deutliche Gefühl, DASS es einen Trigger tiefer gibt, der Dich so emotional berührt reagieren ließ.

      Ich finde es toll, wie schnell Du letztlich dahinter gekommen bist, warum Du emotional aus der Sicht der Kinder heraus argumentierst.
      Denn genau DAS bringt Dich ja einen Schritt weiter.

      Der nächste Schritt – und das ist der, auf den Belle wohl hinauswollte – wäre eigentlich, genau in diesem Punkt dann bei sich selber zu BLEIBEN. Zu wissen, das ist meins, mein inneres Kind, meine verletzten Anteile, die mich auf etwas reagieren lassen. MEIN Erleben. MEINE Erfahrungen. Welches immer noch nicht dem Erleben anderer entsprechen muss. Auch nicht in vermeintlich ähnlicher Situation.

      Im Prinzip läuft in solchen Fällen ja erstmal nichts anderes als Projektion in dem Moment.

      Aber es liegt auch eine riesen große Chancen darin. Denn wenn Du jetzt an Deinem eigenen Gefühl weiter dranbleibst, statt es auf diese Kinder zu übertragen (die noch nicht mal zwingend davon wissen müssen. Studien sind i.d.R. anonymisiert) – dann könnte etwas heilen, was Du schon sehr lange mit Dir herumträgst (((ZL)))

      Aber das ist Deine Geschichte, Deine Gefühlswelt, Dein (Er-)Leben. Und dafür gilt auch: Du fühlst, wie Du fühlst. Und es ist völlig okay. Immer im eigenen Tempo !

      JedeR hat seine eigenen Hausaufgaben 🙂
      Ich, Belle, Du, diese 23 Mütter
      und alle anderen auch 😉

      Einander zuhören – und immer wieder dabei zu trennen zwischen "meins und deins".
      Das ist glaube ich, was zählt.
      Unter dem Strich.
      Im Leben und so…überhaupt.

      Ich drück Dich

      Isa

    4. HUPS – überschnitten :-))

      ja – und wat glaubste, wie oft Belle mir schon am Zopf festgehalten hat, damit ich nicht in den Abgrund falle :-))

  10. Neuer Tag, neue Denkanstösse und heute nicht vom Apfeltelefon. Vielleicht kann ich dann auch besser formulieren – Kopfweh hab ich nämlich immer noch. Aber nicht von euren Posts 😉

    Ich hab viel über Isas und auch seit gestern über deinen Beitrag nachgedacht – und (das wird euch gefallen), nochmal genauer hinterfragt, warum mich dieses Thema und dieser Austausch so ermattet hat.

    Fakt ist: ich idealisiere das Mutterbild nicht dahingehend, dass „Mutterschaft das höchste Gut auf Erden ist“ wie es mir ein Bürokratenhengst neulich so nett um die Ohren gehauen hat. Ich glaube nicht, dass Müttern, sobald sie ein Kind haben 24/7 die Sonne aus dem Poppes scheint. Ich sehe ein Kind nicht als „Heilsbringer“, wie es Isa irgendwo so schön geschrieben hat. Das Mutteridealfähnchen kannste hier vergeblich suchen – ganz ehrlich.

    Ich glaube, das Wort Reue war es, dass mich so extrem triggert. Weil ich Reue als etwas extremes empfinde, weil es für mich mit einem Schuldempfinden einhergeht und daher für mich schwer vereinbar ist in diesem Zusammenhang. Daher danke für den Link ins englische – denn da ist mir ein Gedanke gekommen, und ich habe in meinem schönen, dicken Wörterbuch nachgesehen. Denn, und da sind wir bei den Unzulänglichkeiten von Übersetzungen – regret kann im deutschen sowohl Reue als auch Bedauern bedeuten. Hier liegt – für mich – ein großer Unterschied.

    In dem Zwiegespräch zu Teil 1 habe ich keinesfalls die Damen dieser Studie verurteilen wollen, denn, wie gesagt, ich kann nicht in ihren Schuhen gehen. Aber ich kann meine eigenen Erfahrungen dagegenhalten und in meinen Schuhen gehen. Ich bin ein Scheidungskind. Und da war nichts mit einvernehmlich und im Guten, da herrschte Krieg an allen Fronten, auch wenn ich damals noch sehr klein war, mich hat diese Zeit unbewusst geprägt. Im Erwachsenenalter habe ich oft hören müssen, wie schlimm das alles war und dass meine Mutter (mittlerweile in den 60ern) diese Ehe sehr bereut hat, auch wenn sie keinen Zweifel daran gelassen hat, dass sie uns liebt (das hat sie). Genau deshalb mein Einwand mit den Kindern – denn für mich ist das ganz eng verknüpft. Ohne diese Ehe gäbe es mich und meine Schwester nicht – und das war auch immer meine Antwort darauf: „Aber dann hättest du uns nicht.“

    Klar hab ich schon Dinge getan, die ich im Nachhinein bedauere. Oder die ich aus heutiger Sicht vielleicht hätte schlauer machen können. Oder die ich besser gelassen hätte. Aber alles zusammen genommen hat es mich dorthin geführt, wo ich jetzt bin. Zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Würde ich das bereuen, würde ich das verneinen, was mich zu diesem Menschen gemacht hat, einen Teil meines Ichs verneinen.

    Bedauern ja, Reue nein. Egal ob ich jetzt Mutter bin oder CNBC-to-be.

  11. Liebe Belle,
    mir geht es so ein bisschen wie J.B.
    Unverständnis. Und Neid. Bei mir. Jetzt gerade.

    Aber wenn ich deinen Post lese und nochmal lese, dann gebe ich dir nach und nach immer mehr recht…

    Ich hasse es in Gruppe zwei zu sein, wo jeder von mir erwartet, dass ich endlich aufs Pferd steige und in die Hufe komme. Ich möchte nicht in Gruppe drei sein, weil ich mir nicht ständig anhören will, wie gut ich es doch eigentlich jetzt habe. Gruppe eins…auch da gebe ich dir recht. Je länger es dauert desto weniger hinterfragt man…und ich habe fieses Stirnrunzeln wenn ich an die ganzen Hormone denke und ich auch die Sache mit der Depression kann ich mir nur zu gut vorstellen. Weil es anders ist. Es ist nämlich vielleicht einfach nicht dieses IDEAL, dass einem überall vor die Nase gehalten und gepostet wird…möglicherweise…
    Und trotzdem mache ich immer wieder neidische Bolläuglein zu den Damen, die so unzufrieden sind…Zu den Damen, die Mama sind und es nicht sein wollen….
    Auch ich muss ein bisschen weg kommen von dem Gedanken, dass Mutter sein immer Glück bedeutet. Und dass Kinderlosigkeit eben "nicht glücklich" bedeutet. Ich weiß das. Im Grunde. Aber ich bin trotzdem noch so oft so furchtbar unglücklich darüber. Mehr noch als dass ich es als Chance sehen kann. Es ist so so so so harte Arbeit….:/ und ich werde noch so viel jammern…und ich muss meinen Blickwinkel um noch so viel erweitern…
    Und ich danke euch so sehr, dass ihr uns so gut dabei helft ♥

    1. Liebschen, Frau Wdw,

      Du machst das doch ganz großartig, bleibst bei Dir, guckst drauf, stellst infrage und vorallendingen…fühlst hin. Und läufst vor dem allen nicht weg.
      You go, girl *thumbsup*!!

      xoxo, Belle

  12. Liebe Belle,

    da hast du ganz, ganz, ganz wunderbar auf den Punkt gebracht. BESSER.GEHT.ES. NICHT! Danke!

    Blüte

  13. kuckuck, kann ich voll unterschreiben, belle! höchste zeit, mal zu de-romantisieren (was ja im übrigen einige damen wie die badinter auch schon länger tun).
    historisch gesehen ist das rama-familienideal ja noch gar nicht so alt (gefühlt allerdings schon).
    interessant find ich auch,dass diese studie nicht zufällig in israel entstand, wo auf dem muttersein auch ein großer druck lastet. aufschrei daher groß in d-land, wo mutter-sein ebenfalls extrem idealisiert wird und man als mutter im stillen, tragen und familienbetten aufgehen soll – ich glaub, in frankreich ist die studie bisher kein thema…
    ich bin auch der festen überzeugung, dass "regretting fatherhood" stark verbreitet und gesellschaftlich anerkannt ist. redet aber kein mensch drüber.
    bisous,
    e.

    1. Liebe E.,

      Danke Dir :-)!
      Ja, das fiel mir beim Lesen der Studie auch auf und ich hab`mich ähnliches gefragt…..hmmm, wenn Frankreich neben dem fashion sense und dem unfassbar leckeren Essen nun auch noch den entspannteren Umgang mit dem Thema Mutterschaft und Familie hat, dann bin ich wirklich neidisch ;-)!
      Zum Thema regretting fatherhood brüte ich an einem Post, denn ich habe Fragen…..und Fragezeichen…

      xoxo, bis dahin, Belle

  14. Liebe Wendy vom Ponyhof,

    da hast Du wahr…dieses Dauerbombardement in Bild und Ton tut nicht gut und macht ein verzerrtes Schauen auf die Realität.
    Sich dessen bewusst zu sein ist für mich immer schon der erste Schritt, da beginnt das Infrage stellen.
    Müssen wir da durch?
    Oder wollen wir in Zukunft lieber Werbung wie "use your And!" hören und lesen….ich glaube dass wir da bei weitem mehr Macht haben, als wir glauben…
    Ich freu`mich, dass es Dir gutgetan hat, Dich zu äußern!

    xoxo, Belle

  15. Wie wahr, wie wahr. So ist unsere Welt leider. Wir werden auch (teilweise unwissentlich) durch Werbung und Medien geprägt. Das ist schlichtweg einfach die Verdummung der Menschheit. Sie es die Geiz ist Geil Kampagne, die mich einfach nur den Kopf schütteln lässt (ich arbeite im Einzelhandel). Am liebsten wollen sie alles fast geschenkt mit der allerbesten Qualität. Haut nicht hin. So sorgt auch der Windelriese mit seiner Werbung für ein verzerrtes Weltbild, wo ich jedesmal fast heulen könnte… Kinder sind das Beste, oder so. Oder wie war diese Werbung: "Weihnachten ohne Kinder…" da könnt ich so ausrasten. Aber es hilft ja nix. Da müssen wir leider durch. Ich denke es wird immer schlimmer, wie wir Menschen gelenkt werden. Aber wie kommen wir aus dem Irsinn raus?
    Sorry, ist ein bisschen länger geworden, aber es hat gut getan 😉
    Liebste Grüße,

    1. Hmm. Habe sogar eine Nacht drüber geschlafen 😉 Ich gebe zu, ich bin mir noch nicht so ganz sicher was dieser Artikel in mir auslöst.
      Einerseits ganz klar "Unverständnis". Weil diese Frauen haben was ich mir so sehr wünsche. Und das soll dann etwa nicht gut sein? Geht gar nicht. Unvorstellbar. Für mich. Denn ja, es ist tatsächlich so, dass man denkt mit Kind ist alles nur noch rosarot und superduperklasse. Dass das nicht so ist ist zwar klar, wird aber gerne verschwiegen. Oder besser gesagt: Der Gedanke daran, dass es eben mit Kind auch mal schei** sein kann wird nicht zugelassen. Mit Kind ist alles supi. Punkt.
      Wird einem ja so auch suggeriert. Seien es nun die Medien durch Werbung (wer möchte nicht im weißen Kleid, wieder total erschlankt und ohne Augenringe unter einem Baum in der Sonne sitzen und das ebenfalls in weiß gekleidete Kind stillen?) Oder auch durch viele Promis / die Öffentlichkeit. Es ist ja meist (Ausnahmen bestätigen die Regel) so, dass das Muttersein über alles gelobt wird. Sehr wenige Mütter geben zu, dass auch sie ab und an am Rande der Verzweiflung sind.
      Und selbst wenn sie es zugeben will ich das KiWu-Frau das nicht hören. Denn bitte, ihr seid schwanger / habt ein Kind. Was wollt ihr noch?! Euch muss die Sonne aus dem Poppes scheinen. Und zwar 24/7. Ähm. Nein?! Logisch nicht.

      Und trotzdem bleibt hier ein gewisses Maß an Unverständnis. Die Mutterschaft bereuen…. Klar nicht das Kind an sich, sondern eben die Mutterrolle, so zumindest habe ich das verstanden. Trotzdem. Unverständnis… Und ich konnte noch nicht genau erörtern, wieso das so ist.

      Spielt Neid da mit rein? Ich weiß es nicht. Noch nicht?!

      Meine liebste Belle, auf jeden Fall danke ich auch dir.

      Drücker!

    2. Ich glaube, es geht gar nicht so sehr darum, dass man das emotional auf allen Ebenen erfassen oder nachfühlen kann sondern vielmehr darum, zuzulassen, dass auch dies eben eine Wahrheit ist.
      Es gibt mehr Frauen als man meinen könnte, die mit der Mutterrolle nichts anfangen können. Aber….auch hier wirkt das Familien-/Mutterbild. Kinderwunsch ist eben nicht nur dieser "sich selbst begründende Wunsch" der einfach "da" ist. Kinderwunsch kann auch ein Erwartungswunsch sein. Oder zum Teil AUCH ein Erwartungswunsch.
      Einfach, weil es dazu zu gehören scheint, "normal" scheint etc.
      Sich bewusst gegen Kinder zu entscheiden und sich selber und dem Umfeld einzugestehen und dazu zu stehen, dass man sich in der Mutterrolle nicht sieht oder keinen Kinderwunsch hat, ist vor diesem Hintergrund ganz sicher auch nicht immer so einfach.

      Als ungewollt Kinderlose tun wir denke ich an 2 Dingen gut:
      – sich selber vom "Rama-Familienglücksbild" zu lösen und einen realistischen Blick auf die Dinge zu gewinnen – oder zu behalten 😉
      –> um nicht selber an diesem gesellschafftlichen Erwartungsdruck und Image mitzubasteln unter dem wir andererseits nämlich auch enorm leiden
      1) während der Kinderwunschzeit
      2) als dauerhaft ungewollt Kinderlose, wenn diese Rolle verabschiedet werden muss
      3) als Endlich-Mutter. So berichtet die Charite Berlin, dass gerade Frauen, die den Kinderwunsch lange Jahre über alles gestellt haben und durch Tausende von Behandlungen gegangen sind, ein deutlich höheres Risiko für postnatale Depressionen haben, wenn sie jegliche Ambivalenzen zum Thema Mutterschaft vorher ausgeblendet haben.

      Nicht zuletzt deshalb plädiere ich immer wieder dafür, seinen Kinderwunsch zu hinterfragen und sich seiner Motive bewusst zu werden. Nicht weil es da etwas zu rechtfertigen gäbe, sondern um eigenen Glaubenssätzen auf die Spur zu kommen und um sich selber immer wieder neu einzuordnen. Je länger man mit Wunscherfüllung beschäftigt ist, desto "normaler" erscheint einem jede Anstrengung und jede Unternehmung. Egal wie absurd das ganze realiter (irgendwann) wird. Machen ja "alle anderen" auch so. "Da muss man halt durch".

      Und je länger etwas dauert desto weniger wird irgendwann hinterfragt. Das wäre aber so wichtig. Für einen selber.
      Ich habe schonmal sehr provoziert mit meiner Aussage: wer sich überhaupt nicht vorstellen kann, kinderlos zu bleiben, der wird die Konsequenzen dieser Nicht-Reflektion dann eben als Mutter auslöffeln. Aber um eine Auseinandersetzung mit dem Thema kommt keineR herum. Das Leben liebt jeden 🙂

      xoxo, Isa

    3. Liebe JB,

      danke für Deine ausführliche Antwort :-)!
      Es ist, wie Isa schon schrub, weniger das emotionale Erfassen/Mitschwingen des anderen Fühlens, sondern mehr – und das ist schon sehr viel- das Es- zulassen- Könnens, ohne eine verbale oder emotionale Blutgrätsche in das Erleben einer anderen Frau zu machen.
      Ob und inwieweit ich mich in ihrem Erleben wiederfinde oder auch eben nicht, kann eine weiterführende Frage an mich selbst sein, muss aber nicht zwingend. Persönlich erlebe ich es als oft spannend und fast immer bereichernd, mir vorzustellen ,wie der ein oder andere Schritt in den Schuhen der anderen ist, wobei mir vollkommen klar ist, dass es eben nur eine Vorstellung ist und niemals die Realität, die besagte andere Frau lebt und erlebt.
      Das Erleben einer anderen und wie sie ihr Inneres schildert und teilt kann mich und meine Wahrnehmung erweitern, wenn ich bereit bin, mich darauf einzulassen und nicht beim ersten Impuls von "negativen" Gefühlen diese wegdrücke oder – was meist geschieht- projiziere.
      Ich drück`Dich zurück, ma chere!

      xoxo, Belle

    4. Liebe Stermenmami,

      danke für das schöne feedback :-).
      Ist schon immer auch ein bisschen scary, den "Veröffentlichen"- Button zu klicken und sich zu positionieren…eventuell auch fett im Seitenaus….ich weiß ja vorher nie, was der Beitrag bei anderen auslöst…
      Aber ich habe mich entschieden und entscheide mich immer wieder, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und auch meine innere Zensur stumm zu schalten…..denn,wie gesagt, Schweigen lähmt oder wie Auer Lord, eine tolle Schriftstellerin einmal sagte : "Your silence won`t protect you."
      Daher- nochmal danke 🙂 !!!

      xoxo, Belle

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