Starke Stimmen. Starke Geschichten # 7

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Nachdem einige Wochen lang kein Interview für die Kategorie Starke Stimmen. Starke Geschichten eingeschickt wurde, freuen wir uns um so mehr, dass wir Euch heute Carola und ihre Geschichte vorstellen dürfen. Sie hat uns ein sehr berührendes und ehrliches Interview gegeben, darüber wie sie ihren Weg bis heute geht.

Damit gehört auch Carola zu den bislang wenigen dauerhaft kinderlosen CNBC, die im deutschen, öffentlichen Sprachraum das Schweigen brechen und allen anderen damit Mut machen wollen !
 
Wir.sind.viele.
 
Und wir alle haben etwas zu erzählen. Also….dann tun wir es doch einfach 😉

Geschichten über Träume und Hoffnungen, Schmerz und Verluste. Geschichten, die vom Aufstehen erzählen, vom Betrauern, von Heilung. Davon, wie es sich lebt, wenn der Weg als Sternenmutter ohne lebendes Kind endet. Davon wie das Leben in´s Leben zurückkehrt, nachdem man gestorben ist ohne zu sterben.

Jede CNBC-Geschichte ist individuell. Einzigartig. Jede Geschichte hat ihr eigenes Tempo. Und jede Geschichte beginnt und endet hier im Interview an einem unterschiedlichen Punkt des Weges.

Liebe Carola, vielen Dank an dieser Stelle, dass auch DU Deine Geschichte und Deine Erfahrungen hier teilst und uns allen damit Dein Vertrauen schenkst !

 

Wer bist und und wie lebst Du ?
Ich bin 40 Jahre alt, seit 12 Jahren verheiratet und wir leben in einer süddeutschen Großstadt, seit einem Jahr im eigenen Haus in Ortsrand-Hanglage mit Blick auf die Streuobstwiesen.

An welchem Punkt Deines Weges stehst Du heute ?
Auf dem Abschiedsweg befinden wir uns jetzt seit ziemlich genau drei Jahren. Der Entschluss, den Kinderwunschweg zu verlassen, ist also schon eine ganze Weile her, aber bis zur Akzeptanz unserer Kinderlosigkeit ist es noch ein weites Stück. Aber vielleicht schaffe ich es ja noch, das Lauftempo zu erhöhen, um das Ziel irgendwann zu erreichen.

Wenn Dein Leben ein Film wäre, welchen Soundtrack hätte Dein aktueller Lebensabschnitt ?
Das schwankt. Was ich immer mal wieder höre ist „Der Weg“ von Grönemeyer. Dieser etwas schwermütige Sound, und die schöne Textzeile „das Leben ist nicht fair“, das triffts einfach.

„Steh auf wenn du am Boden bist“ von den Toten Hosen wurde hier in dieser Rubrik schon mehrfach genannt, das schiebe ich auch desöfteren mal in meine Playlist. Und immer öfter bin auch in der richtigen Stimmung, um „Tage wie diese“ von den Hosen lautstark mitzugrölen.

Wenn Deine gesamte Kinderwunschgeschichte verfilmt werden würde, wer sollte die weibliche Hauptrolle spielen ?
Da ich nur ca. alle zwei Jahre mal ins Kino gehe und auch sonst kaum Filme schaue, lasse ich die Frage mal aus, da fällt mir einfach niemand ein.

Was hast Du auf Deinem Kinderwunschweg erlebt ?
Wir haben einen recht gemächlichen Weg zurückgelegt was die Entscheidungsprozesse und Behandlungsabfolgen angeht, und daher war der
Weg zeitlich ziemlich lang, fast 8 Jahre haben wir versucht, unser Ziel zu erreichen.

Erlebt habe ich viele Enttäuschungen über Ärzte und andere Beteiligte, die mich nicht ernst nehmen, nicht richtig hingucken, Dinge nicht
erkennen usw. Demütigende Untersuchungen. Unendlichen Schmerz, sowohl seelischer als auch körperlicher Art. Tiefschwarze Trauer.
Bedingungslose Unterstützung durch meinen Mann. Wut auf meinen unfähigen Körper. Fassungslosigkeit darüber, dass sich nicht alle Ziele im Leben mit Fleiß, Ehrgeiz und Anstrengung erfüllen lassen. Hilflosigkeit.

Ursprünglich wollten wir keinesfalls IVF o.ä. machen, sondern dachten „entweder es klappt, oder wir müssen halt zu zweit klar kommen“. Nach drei Jahren war ich allerdings so depressiv und absolut der Meinung, ohne Kind nicht leben zu können und wollen, dass wir dann doch in eine Kinderwunschpraxis gingen.

Das zeigte sich dann auch schnell als erfolgreich – der 1. Transfer endetete zwar negativ, aber schon die folgende Kryo-Behandlung ergab einen postiven Schwangerschaftstest. In der 8. Woche dann Fehlgeburt, inkl. blöder Erfahrungen im Krankenhaus („jetzt weinen sie doch nicht so, sie sind noch jung, sie können noch viele Kinder bekommen“).

Nach einigen Monaten voller Trauer, Schmerz und Verzweiflung konnte ich aber durchaus postives sehen: immerhin werde ich schwanger, und Fehlgeburten kommen ja schon recht häufig vor. Also gingen wir in die nächste Runde, und ich wurde auch gleich wieder schwanger.

Diesmal war ich total positiv eingestellt und hab mich wahnsinnig gefreut, die bald einsetzende Überlkeit genossen und quasi
mit innerem Grinsen kotzend über der Kloschüssel gehangen. Ein paar Panikmomente gab es, aber als ich in der 8. Woche mit dem Mutterpass ausgestattet aus der Kinderwunschpraxis „entlassen“ wurde, schien alles toll. Zwei Wochen später beim Frauenarzt war leider nichts mehr toll, wieder Fehlgeburt. Schmerz, Trauer und Wut waren noch deutlich stärker als zuvor, ich hatte gar keine Hoffnung mehr. Mein Mann hat mich ausreichend festgehalten, damit ich mein Leben nicht ganz aufgebe, somit war weitermachen die Durchhalteoption.

Nach dem nächsten Kryotransfer mit frühem Abgang in der 6. Woche hatte ich also eine beeindruckende Erfolgsquote von 75% Schwangerschaftsrate – besser als jedes Werbeversprechen der KiWu-Kliniken. Nach eingehenden Untersuchungen, niederschmetternden Diagnosen, hoffnungsvollen Ideen, wälzen von Alternativen und Recherchen nach Möglichkeiten haben wir uns für einen weiteren ICSI-Versuch entschieden – einige meiner „Baustellen“ schienen mir bislang nicht ausreichend behandelt und damit wollte ich noch nicht die Flinte ins Korn werfen.

Allerdings war die folgende Behandlung ein Desaster, 2 Tage nach Punktion landete ich mit Kreislaufkollaps und vor Schmerzen schreiend in der Notaufnahme – die NotOP ergab innere Blutungen mit schon sehr massivem Blutverlust. Diese traumatischen Stunden gehen mir bis heute
nach, so ganz verarbeitet ist das noch nicht.

Die für den Transfer vorgesehene Eizellen wanderten dann erstmal ins Eis. Vor dem Start dieser Behandlung hatten wir auch über Abschluss der Behandlungen nachgedacht, aber nachdem ich jetzt schon mein Laben riskiert hatte für meinen Kinderwunsch wollte ich so schnell wie möglich versuchn, jetzt doch noch ein Kind zu bekommen.

Nachdem ich körperlich wieder fit war gabs also den nächsten Kryoversuch. Der verlief bilderbuchmäßig, vom Transfer bis zum Schwangerschaftstest über die Entwicklung der Blutwerte zum ersten Ultraschall. Ich war allerdings in Dauerpanik und hab permanent Fehlgeburten in der 8., 10. oder 12. Woche phantasiert, Totgeburten in der 17., 21. oder noch später etc. Solange musste ich dann nicht phantasieren, in der 8. Woche hatte ich plötzlich starke Blutungen und unser Baby hat sich mal wieder verabschiedet.

Das hat mir dann klar gezeigt: Schluss jetzt. Wenn mein Körper nicht in der Lage ist top entwickelte Embryonen weiter wachsen zu lassen, hat das wohl keinen Sinn mehr.

 

Wann und warum hast Du Dich dazu entschieden, den Kinderwunschweg zu verlassen ?
Der Entschluss ist langsam gereift. Nach der 2. Fehlgeburt war ich psychisch total am Ende und bin richtig in eine Depression gerutscht,
inkl. Selbstmordabsichten. Beim mühsamen rauskrabbeln aus diesem Loch spielten auch Überlegungen mit rein, keine weiteren Behandlungen zu machen.

Die verschiedenen Untersuchungen, die wir noch anstellen ließen haben dann aber noch wieder Hoffnung geweckt auf mögliche Ursachen und Therpiemöglichkeiten. Die darauffolgende ICSI verlief so katastrophal, dass ich danach definitiv keine weitere Punktion haben wollte. Als dann auch der mit einigen Monaten Abstand erfolgte Kryotransfer in einer Fehlgeburt endetet war mir klar, dass ich eigentlich keinen weiteren
Versuch durchstehe – die wenigen Wochen Schwangerschaft waren eine einzige Abfolge von Panikattacken und Horrorszenarien im Gedankenkarussell.

Im März 2012 zeichnete sich demnach nach der 4. Fehlgeburt das Verlassen des Kinderwunschweges ab. Allerdings hatten wir noch 3 Kryo-Zellhäufchen, und die zu verwerfen konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Während wir uns so langsam vorangetastet haben auf der Suche nach einem kinderlosen Lebenskonzept waren die Kryos so eine Mischung aus Drohkulisse (nochmal der Behandlungsscheiß, möglicherweise eine weitere Fehlgeburt) und Hoffnungsleuchten (unser ersehntes Kind).

Schließlich haben wir nach relativ kurzer Pause entschieden, noch einen Kryotransfer zu machen, um den Schwebezustand zu beenden. Passenderweise war der Ausgang der Behandlung dann auch ein Zwischending: es gab zwar einen positiven Bluttest, aber schon drei Tage später heftigste Blutungen und damit einen sehr frühen Abgang. So blieb mir der Angstzustand während mehrerer Wochen erspart und das Abschlussignal war deutlich.

Wie hast Du den Abschied vom Kinderwunschweg erlebt ?
Wie erlebst Du den Abschied vom Kinderwunschweg ?

Den Abschied vom Kinderwunschweg im Sinne von keine Repromedizinischen Behandlungen mehr zu machen habe ich als befreiend empfunden. Endlich nicht mehr in dieser Mühle aus Behandlungszyklen und fremdbestimmten, nur sehr eingeschränkt planbaren Terminen festzuhängen fand ich sehr erleichternd.

Andererseits kamen noch einige Monate lang immer wieder Gedanken daran auf, ob es nicht doch noch andere Möglichkeiten oder weitergehenden Schritte gibt, die wir gehen sollten – also die Angst, zu früh aufgegeben zu haben.

Worin liegt/lag die besondere Herausforderung beim Abschied vom Kinderwunschweg für Dich/für Euch als Paar?
Wie eben schon erwähnt war das für mich den Endpunkt wirklich einzuhalten und nicht nach weiteren abstrusen Behandlungsmöglichkeiten zu recherchieren, die uns vielleicht noch helfen könnten. Für uns als Paar war besonders herausfordernd das gleiche Tempo zu finden für den weiteren Weg.

Mein Mann hatte von Anfang an klar gemacht, dass er sehr gerne Kinder hätte, sich aber auch ein Leben ohne vorstellen kann. Mit jeder Fehlgeburt hat er da schon ein gutes Stück Abschied genommen, und nach dem letzten Fehlschlag konnte er sehr schnell auf „okay, dann eben kinderlos“ umschalten.

Während ich so richtig in den Trauer- und Abschiedsprozess reingestürzt bin. Da die Balance zu finden zwischen seinem stramm voranschreiten auf dem gemeinsamen Weg ohne Kinder und meinem erstmal ganz viel zurückschauen und unsere Kinder verabschieden und den Kinderwunsch an sich begraben, das ist bis heute herausfordernd.

Was war schwieriger als erwartet ?
Ich konnte mir nie vorstellen, ein Leben ohne eigene Kinder leben zu müssen, und hab mir den Abschied vom Kinderwunsch daher schon immer schwierig bis unmöglich vorgstellt. Und genauso empfinde und erlebe ich es jetzt – es ist wie erwartet unendlich schwierig, Abschied zu nehmen von diesem Lebenstraum.
Was tatsächlich schwieriger ist als gedacht, ist wieder ein vernünftiges Verhältnis zu meinem Körper zu bekommen. Ich empfinde es als totales Versagen, dass ich nicht in der Lage bin schwanger zu werden und vor allem zu bleiben, und mich mit dieser Niete von Frauenkörper wieder auszusöhnen ist echt schwer.

Was war leichter, als befürchtet ?
Den Versuchungen zu widerstehen doch weiterzumachen war unerwartet einfach. Als ich nach 2 Jahren des Nicht-Schwangerwerdens mit meiner Frauenärztin über die Möglchkeiten sprach, die sich so bieten, meinte sie, wir sollten uns auf jeden Fall ein Limit setzen, wieviele Behnadlungen welcher Art wir machen. Das konnte ich damals nicht, wir haben immer von Behandlung zu Behandlung entschieden, und auch Dinge akzeptiert und gemacht, die ich zu Beginn des Kinderwunschweges noch kategorisch ausgeschlossen hätte.

Von daher hatte ich befürchtet, nach dem letzten Versuch doch noch öfter in Versuchung zu kommen den neusten Hype mitzumachen, der durch die Kinderwunschforen getrieben wird. Aber das ging recht problemlos.

Viele Psychologen empfehlen, nach dem endgültigen Abschied vom Kinderwunsch zu verhüten, um wirklich auf allen Ebenen damit abschließen zu können und nicht doch heimlich weiter auf die Hintertüre zu hoffen. Was denkst Du darüber ?

Wenn das Ziel ist mit dem Kinderwunsch abzuschließen, dann ist Verhütung sicher sinnvoll. Von meinem Kinderwunsch habe ich mich allerdings nicht verabschiedet, der ist immer noch da – ich akzeptiere so langsam, dass er sich nicht erfüllt, abschließen möchte ich damit gar nicht. Abgesehen davon, dass das schwanger werden ohne IVF/ ICSI nahezu ausgeschlossen ist bei uns und verhüten daher eh überflüssig ist empfände ich es auch als Verrat an meinem Lebenstraum, jetzt zu verhüten.

Was hat Dir besonders geholfen/hilft Dir besonders dabei, die Trauer um ein ungelebtes Leben als Mutter und Deine nie geborenen Kinder zu verarbeiten ?
Mit anderen Kinderlosen reden, ihre Ansichten lesen in Blogs, der Austausch in den Abschieds-Unterforen der Kinderwunschforen (der leider nur sehr sparsam stattfindet), die Suche nach Vorbildern für ein kinderloses Leben. Was mir besonders hilft ist Anerkennung, dass nicht nur meine Kinder betrauert werden, sondern auch der Kinderwunsch an sich – die ist allerdings schwer zu bekommen, ich versuche immer wieder darüber zu reden, aber kaum jemand der nicht betroffen ist kann das nachvollziehen.

Bei der Trauer um meine nicht geborenen Kinder würde mir sehr helfen, wenn mehr Leute daran teilhaben würden – aber nicht mal mein Mann hat Sinn dafür, die errechneten Entbindunstermine zu gedenken, oder die Jahrestage der Fehlgeburten, geschweige denn irgendjemand aus meiner Familie oder Freundeskreis würde je mal über meine Kinder reden und dass es schade ist, dass sie nicht da sind.

Wie sehr hat sich Dein Leben nach dem Abschied vom Kinderwunschweg verändert ?

So auf den ersten Blick hat es sich gar nicht verändert, gleicher Job, gleiche Hobbies. Der Freundeskreis hat sich ein bisschen verändert, weil ich die ganzen Super-Mamas, die nur über ihre Kinder reden können, aus der Kontaktliste rausgestrichen habe. Ich bin auch davon abgekommen, mein Leben verändern zu wollen als Antwort oder Ersatz für die fehlenden Kinder – da fühle ich mich dann doppelt benachteiligt.

Erst krieg ich kein Kind, und dann muss ich auch noch was anderes tolles finden um die Welt zu verändern – nöö, keine Lust. Entweder ich will mein Leben verändern, dann hängt das aber nicht am Kinderhaben oder auch nicht, oder ich bin im großen und ganzen zufrieden – dann muss ich aber nichts ändern, nur weil kein Kind da ist.

Wie sieht Dein persönliches “The Next Happy” aus ? Wie nah bist Du ihm schon gekommen ?

You are going to be okay, but maybe not in the way you planned to be (gerade gelesen bei Lori von The road less travelled)
Wenn ich mein Next Happy mal ganz oben am Gipfelkreuz ansiedele, dann hab ich ca. 2/3 der Höhenmeter geschafft. Es ist wie immer beim Bergsteigen: hinter der nächsten Kuppe tauchen noch drei weitere auf, es ist also nocht ein gutes Stück weg und anstrengend, aber die Zone mit den Gletscherspalten und Felsabbrüchen liegt hinter mir.

Welche Wünsche und Träume hast Du für die Zukunft, die jetzt vor Dir liegt ?
Dass ich mich mit meinem unfähigen Frauenkörper etwas mehr anfreunde und mehr dafür tue, auch in 30 Jahren noch bergsteigen oder skifahren zu können – jede Fehlgeburt hat mir 2 Frustkilos eingebracht, und der Abschiedsweg bislang nochmal 3.

Dann wünsche ich mir den Neid weg, der mich jedesmal schmerzvoll befällt, wenn Schwangerschaftsmeldungen oder Geburtsanzeigen kommen – und zwar nicht erst in 10 Jahren, wenn der Bekanntenkreis komplett die 45 überschritten hat, sondern bitte schon vorher.

Was möchtest Du Frauen mit auf den Weg geben, die noch nicht so weit sind, wie Du ?
Egal wie lange es dauert, eure Weglänge ist so wie sie ist. Und: blöde Sprüche oder sinnlose Ratschläge immer gleich parieren, nie runterschlucken. Wenn ich mich dazu durchringe, meine Gefühle darzulegen und zu benennen, warum das jetzt ein saublöder Ratschlag war, entstehen oft sehr gut und hilfreiche Gespräche. Wenn ich drüber weggehe, ärgere ich mich nur noch mehr und irgendwann kommt man gar nicht mehr ins Gespräch.

Was sagst Du den Menschen, die ein kinderloses Leben für eigentlich sinnlos und oberflächlich halten ?
Kein Leben ist sinnlos. Und für oberflächlich halte ich mein kinderloses Leben auch, ich kämpfe jedenfalls sehr damit, dass wir jetzt noch weitere 25 Jahre das sorglos- oberflächliche Leben der Endzwanziger führen könnten: tagsüber Arbeit, abends Sport oder Kneipe, am Wochenende
feiern. Oberflächlich und langweilig. Aber ist ein Leben zwischen Kinderspielplatz und Zoobesuch nicht genauso oberflächlich? Wann ist das Leben tiefgründig? Ich hab noch kein Antwort drauf.

 

Was sagst Du den Menschen, die CNBC bemitleiden ?
Ich bemitleide mich ja selbst, von daher finde ich es völlig  verständlich, wenn das auch andere tun. Mir begegnet viel öfter Neid au unsere Freiheiten, da versuch ich dann sogar noch Mitleid zu wecken.

 

Wenn Du mit 80 auf Dein Leben zurück blickst: Was wirst Du dann sagen ?
Hoffentlich Danke für fast 60 Jahre an der Seite meines Mannes,

und: es war immer voller schöner Aktivitäten und spannenden Wendungen, mit einer riesigen Lücke der Kinderlosigkeit versehen.

7 Gedanken zu „Starke Stimmen. Starke Geschichten # 7

  1. Vielen Dank für die ehrlichen Worte Carola! Mein Weg ist mittlerweile wesentlich leichter geworden und damit möchte ich dir auch gerne Mut machen. Es sticht immer noch wenn man neue Schwangerschaftsmitteilungen bekommt, aber der Stich wird immer schwächer und die Freude an dem, was man hat, stärker. Vielleicht hilft dir mein Blog ein wenig auf deinem Weg?
    xxx Kati

  2. Hallo ihr Lieben,

    danke für die vielen Rückmeldungen. Es ist toll zu hören, dass auch ich mal in der Mutmacher- oder "so gehts also auch" Position bin, in der ich sonst immer Isa, Belle und andere Blogautorinnen sehe – irgendwie finden wir alle unseren Weg! Bloß blöd, das jede selbst suchen muss, aber viele Vorbilder machen die Suche nach dem richtigen Abzweig manchmal leichter. Also, die Damen: seien wir uns alle gegenseitig Vorbilder!
    liebe Grüße, Carola

  3. Liebe Carola, ich bin seit einiger Zeit eine stille Leserin dieses Blogs und habe noch nie einen Kommentar veröffentlicht. Wenn aber Du den Mut aufbringst um so offen und ehrlich über Dein Leben ohne Kinder zu erzählen und mir damit Kraft gibst, dann möchte ich mich bei Dir bedanken. Ich hatte und, wenn ich ehrlich bin, habe keinen "Plan B" für ein Leben ohne Kinder und ich habe unter anderem einige Zeit mit Warten auf eine Art göttliche Eingebung verbracht, was ich stattdessen Großes vollbringen oder leisten muß um nur ja kein sinnentlehrtes, oberflächliches Dasein ohne Nachwuchs zu führen, das quasi zu kompensieren. Aber Dein Beitrag zeigt mir auch auf, dass es nicht allein darauf ankommt, ob ich mich fortpflanze, sondern wie ich als Mensch und Ehepartner lebe und, wenn ich bewusst, tiefgründig und liebend lebe, ist das sicherlich auch ohne eigene Familie nicht sinnlos und hinterlässt Spuren.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und Mut, Deinen Weg zu gehen und Deine Spuren zu hinterlassen.
    Danke für Deine Geschichte.

  4. Liebe Carola,
    ich hatte einen riesen Kloß im Hals beim Lesen deiner Geschichte. Deine Worte sind so ehrlich, Eure Behandlungsgeschichte sehr traurig. Ich kenne leider auch diese Gefühle, die du während deiner aktiven Behandlungszeit beschreibst. Immer wieder schwanger werden, aber trotzdem kein Kind haben….. die permanente Angst dabei…. grauenhaft.
    Fühl dich einfach ganz fest gedrückt….. du machst mir Mut! Alles Liebe. Bluete83

  5. Liebe Carola, hier sitze ich nun und wie immer muss ich weinen…weil du so viele Dinge so treffend beschreibst. Von der Angst, von der Balance als Paar, von Schmetterlingskindern, deren Sein eigentlich von allen unter den Tisch gekehrt wird…
    Auch ich möchte mich bedanken, dass du deine Gedanken mit uns teilst. Und ich kann nicht die richtigen Worte finden für das, was du erlebt hast :,(
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und bewundere dich für deinen Löwinnenmut.

  6. Liebe Carola, dein Interview hat mich sehr bewegt. Danke dass du deine Geschichte mit uns teilst.
    Da mir für mehr wirklich die Worte fehlen wünsche ich dir für die Zukunft alles, alles Liebe und Gute und viel Kraft.

  7. Liebe Carola, trotz der traurigen Worte – ein wunderschönes Interview. Vielen Dank, dass du deine Geschichte und deine Gedanken mit uns teilst. Von ganzem Herzen alles Gute. Du wirst deinen Weg finden – denn eigentlich hast du ihn schon gefunden 😉

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