Was wichtig ist …(2)

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geschrieben von Isa:

 

FotoHiero  / pixelio.de

 

Ich gehe die Straße entlang. 
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. 
Ich
falle hinein. Ich bin verloren…..
Ich bin ohne Hoffnung. 
Es ist nicht
meine Schuld. 

Es dauert endlos wieder herauszukommen.Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im
Gehsteig. 
Ich tue so als sähe ich es nicht. 
Ich falle wieder hinein. 
Ich
kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. 
Aber es ist
nicht meine Schuld. 
Immer noch dauert es sehr lange heraus zu kommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang. 
Da ist ein tiefes Loch im
Gehsteig. 
Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein….aus Gewohnheit. 
Meine Augen sind offen. Ich weiß wo ich bin. 
Es ist meine eigene Schuld. 
Ich komme sofort wieder heraus.

Ich gehe dieselbe Straße entlang. 
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. 
Ich gehe darum herum.

Ich gehe eine andere Straße. 
 
Text  Sogyal Rinpoche
 
 
Wenn es nur so einfach wäre…..oder ?
Vielleicht IST es aber genau das ?!
Am Ende ganz EINFACH ?!
 
Je länger ein Kinderwunschweg dauert, desto lauter werden die Stimmen im Innen aber auch im Außen, die diesen Weg und seinen mögliche weiteren Verlauf beginnen zu kommentieren.
 
Während uns zu Beginn des Weges Vorfreude, Leichtigkeit und viel Hoffnung begleitet haben, schleicht sich im Laufe der Jahre irgendwann der Zweifel ein und Erschöpfung macht sich breit.
Die Hoffnung schwindet zunehmend. Der Glaube daran, dass wir den Weg mit einem lebenden Kind im Arm verlassen werden, bekommt Risse. Mit jedem Rückschlag werden sie tiefer.
Irgendwann reichen auch eingeschobene Regenrationsphasen nicht mehr aus, um sie tragfähig zu kitten.
 
Während wir zu Beginn jede Hürde und jedes Hindernis noch ausgeruht, mit viel Schwung und in positiver Grundhaltung genommen haben, bekommen wir jetzt oft etwas Verbissenes.
Mancher tropft das Blut quasi schon aus den Schuhen, während sie dies mit zusammen gebissenen Zähnen ignorierend zum nächsten Sprung ansetzt – obwohl sie vor Erschöpfung eigentlich am liebsten an den Wegrand kotzen würde.
 
Und dann ?
 
Was es dann grundsätzlich braucht, ist …. RUHE.
Ruhe, die es ermöglicht, in sich hinein zu fühlen, um heraus zu finden, ob das, was ich da tue, auch noch DAS ist, was ich WIRKLICH will. Unter den gegebenen Umständen und mit allen Konsequenzen.
Ruhe, um heraus zu finden: „was brauche ich ?“
 
Was brauchst DU ?
 
Ohne das zu wissen ist eine Entscheidung quasi unmöglich !
Dazu kommt noch etwas:
 
„Gib nicht auf“ oder „Lass doch endlich los“ – beide Handlungsoptionen sind nicht unproblematisch. Denn beide ! sind aufgeladen mit Missverständnissen und falschen Gaubenssätzen und bergen daher ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential für den jeweiligen weiteren Weg.
 
Und jetzt ?
Ist das alles also wirklich so furchtbar kompliziert oder eigentlich einfach ?
Ich komme noch darauf zurück.
 
 
Machen wir uns für heute doch EINFACH noch einen schönen Sonntag 🙂 !
 
xoxo,
Isa

14 Gedanken zu „Was wichtig ist …(2)

  1. Liebe Isa,

    alles wie Du es hier wiedergegeben hast, unterschreibe ich SOFORT!!! Kann irgendwie gar nicht mehr dazu sagen, danke für Deine immer tollen Posts!!!

    LG
    Kitty

  2. Und dann steht man da. "Zurück" in die KiWu will man irgendwie nicht. Ein Kind aber nach wie vor. Und dann? Der Weg über die KiWu fühlt sich (momentan ??) nicht stimmig an. Der Wunsch nach einem eigenen Kind ist aber nach wie vor da.
    Ist es gar nicht der KiWu-Weg an sich? Oder ist der Wunsch nach dem Kind irgendwas anderes?

    Ach Mensch. Es ist anstrengend.

    1. Ja. Es ist furchtbar anstrengen. Gerade am Anfang.
      Aber man kann es auflösen.
      Der Kinderwunsch bleibt Dir als Sehnsucht, als Gefühl der Liebe sowieso erhalten. Zu versuchen, ihn zu elminieren oder darauf zu warten, dass er sich eines Morgens atomisiert hat ist …. ziemlich zwecklos 😉

      Entweder Du gehts zurück in die Kiwu –
      oder Du nimmst an, was sich bislang als Deine Realität erweist, integrierst den aktiven Wunsch nach deinen leiblichen Kindern im Laufe der Zeit als ein Gefühl der Liebe in Dein Herz, in Dein Leben und ….
      machst Dir Gedanken darüber, ob und in welchem Umfang Du grundsätzlich mit oder ohne Kind(er) in Deinem Leben leben willst. Möglichkeiten gibt es viele. Wenn man sie sehen möchte 😉 Und weiß, WAS genau man möchte.

      Du musst um die Ecken denken, Dschey Bee….
      Auf dem gleichen Weg, auf dem man sich in die Scheisse geritten hat, lässt sich nur schwer zurück reiten.

      Vastehst Du, was ich meine ? 🙂

      Kuss,
      Isa

    2. Ich verstehe was du meinst.

      Bislang kommt – beim Gedanken daran nie wieder in die KiWu zu gehen – leider noch "das bockige Kind" in mir hoch das auf den Boden stampft und schreit ich will, ich will, ich will…

      Ich sollte also irgendwie erstmal diesem verzogenen Gör das Maul stopfen 😛

    3. Gut beschrieben, Isa – ich glaube, das ist der Punkt, wo ich gerade bin. Ich will nicht mehr zurück in die kiwu – das ist ganz deutlich. Ich kann es nicht mehr ertragen, dort zu sitzen – voller Hoffnung, denn ich weiß, diese verflixte Hoffnung wäre da – spätestens wenn wieder jemand die tolle Schleimhaut lobt oder die Eierchen aufzählt, könnte nicht mehr das Warten auf das Ergebnis der PU ertragen und die Anrufe im Labor – ich würde wieder Namen für unsere Embryonen vergeben und 2 Wochen Warteschleife ertragen müssen und am Ende einen Anruf tätigen müssen, der in keinem Fall Erlösung bringt.

      Darum wähle ich die Realität – so, wie sie jetzt ist und beginne, daraus eine Zukunft zu bauen … Im Wonderland

      Heute zum Beispiel lag ich in der Hängematte – den ganzen lieben langen Tag, habe gelesen, die Wolken beobachtet und die Baumwipfel – und der Gedanke kam mir, wie schön ruhig und entspannt ich dort abhängen kann – das Leben ist das, was wir daraus machen…

      Sonnige Urlaubsgrüsse,

      Die-die-mal-ZWeiLinien-war

    4. Ich finde, das klingt toll und Du liest Dich echt entspannt !
      Genieße deinen Urlaub – und das Leben danach 🙂
      xoxo, Isa

    1. Liebe Lisa,

      ich glaube, alles was IST….gehört auch zu uns dazu. Sonst wäre es nicht…
      Will sagen, wenn DU es so erlebst, dann ist es Teil Deiner Geschichte.

      Unabhängig davon, ja: Phasen des Selbstschutzes sind grundsätzlich ziemlich verbreitet. Und auch gesund. Unsere Psyche ist schlau – wir wissen uns instinktiv zu schützen, wenn es zu viel wird.
      Genau so, wie wir oft instinktiv spüren, wenn diese Schutzmechanismen anfangen kontraproduktiv zu werden. Weil wir wieder etwas fühlen wollen. Weil wir uns beginnen zu sehr von uns selber zu entfremden. Weil es auf Dauer unmöglich ist, seine Gefühle nur selektiv abzuschotten. Weil zum Lebendigsein auch gehört, ALLES zu fühlen. Weil ein solcher Schutzmechanismus akut – aber nicht langfristig hilfreich ist.

      Ich glaube eher nicht, dass das ein Entwicklungszwischenschritt ist 😉 Eher eine Phase als Reaktion auf den Verlust der Schwangerschaft und der Angst vor einem erneuten negativen Ausgang.

      Das klingt vielleicht ein bisschen nach Wortklauberei 🙂
      Was ich sagen will…..Du befindest Dich ja noch mitten drin ! Noch VOR dem ersten medizinisch assistierten Versuch. NICHT vor einem konkreten Abschied vom Kinderwunschweg.
      Du hast den Verlust Deines Kindes betrauert. Nicht den Abschied vom Kinderwunsch.
      Du denkst auch einen möglichen kinderlosen Ausgang des Weges mit.
      Und beides ist ganz wichtig !

      Nun bereitest Du Dich auf Deine erste Behandlung vor.
      –> Mitten drin 🙂 Kein Zwischenschritt.
      Kein Zwischenschritt zum Abschied vom Kinderwunsch zur Verarbeitung der Gefühle dauerhaft kinderlos zu sein. Ohne Rückfahrkarte.

      Während des Kinderwunsches ist oft Angst das beherrschende Gefühl.
      Angst vor neuen Verlusten. Angst vor einem neuen Negativ Angst davor, dass am Ende alles nichts "nützen" könnte. Dieser Angst zu begegnen, mit ihr umzugehen ist Aufgabe der aktiven Kinderwunschzeit. Emotionale Schutzmechanismen inklusive.

      Angst ist …ein Konstrukt.
      Der Abschied an sich, wenn er zur Realität geworden ist, ist etwas ganz anderes. Und wie so oft ist die Vorstellung viel unheimlicher als die Wirklichkeit 😉
      Die Verarbeitung DIESER Trauer, die Heilung der Gefühle und die Auseinandersetzung mit einer kinderlosen Lebensrealität kann auch erst dann konkret beginnen. Auch hier kann es erneut Phasen geben, in denen sich emotional distanziert wird. Muss aber auch nicht sein. Jeder Weg ist individuell.

      GLG,
      Isa

    2. P.S. ich weiß nich, ob ich das verständlich ausdrücken konnte, was ich meine. Falls unverständlich frag ruhig. Und wenn´s nicht passt für Dich dann hau es einfach in die Tonne 😉

    3. Oh, man – Selbstschutz und wieder Gefühle zulassen und damit auch spüren können! Da muss ich erst hier eine Frage stellen, damit es mir wie Schuppen von den Augen fällt!!!
      Ich danke dir so sehr, dass du mir gerade die Augen für etwas so offensichtliches geöffnet hast ❤️

  3. Da die erste Behandlung ja noch ansteht, ich aber bereits 1 Jahr Trauerarbeit hinter mir habe, in der ich mich auch intensiv mit einem möglichen Ende ohne Kind auseinandergesetzt habe, stecke ich gerade in einer Zwischenphase.
    Ich habe rückblickend auch mit Schrecken festgestellt, dass ich mich durch die Ereignisse sehr verändert habe. Davor war ich immer ein sehr liebevoller und offener Mensch. Ein Mensch, den viele mögen (weil ich auch nicht "nein" sagen konnte, keine (Schutz)Grenzen für mich ziehen konnte).
    Heute bin ich deutlich abgeklärter, kühler und distanzierter geworden. Lasse vieles nicht mehr an mich ran. Ich glaube, dass es gerade vielen schwer fällt an mich heran zu kommen. Mir gefällt diese Entwicklung gerade nicht. Aber ich hoffe inständig, dass ich da gerade tatsächlich noch in einem Entwicklungs-Zwischenschritt stecke und das wieder anders wird.
    Hattest du diese Phase zufälligerweise auch? Gehört das dazu?

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