Was wichtig ist … Teil 1

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geschrieben von Isa: 

 

Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de

Gestern Abend hat das ZDF eine Aufzeichnung des letzten Live Konzertes von Udo Jürgens gesendet. Mit dem Wissen von heute diese Aufzeichnung aus Dezember 2014 zu sehen, die alten Lieder zu hören…… Mit dem Wissen um seinen plötzlichen Tod aber auch die Texte seines letzten, aktuellen Albums zu hören – das verleiht diesem Konzert sicher auch etwas Einzigartiges. Das Besondere der letzten Male.

Melancholische Gedanken, aber auch schöne Erinnerungen – die TL der sozialen Medien spiegelten gestern Abend diese gemischte Gefühlslage vieler Menschen wieder.
Mit einigen seiner Oldies verbinden Viele ganz eigene, wohl meist positive Erinnerungen. Nicht zuletzt sicher auch deshalb, weil Lieder wie „Ich war noch niemals in New York“ über Jahrzehnte auf jeder zweiten Party, irgendwann zu später Stunde, unter Garantie wenigstens einmal abgefeiert wurden 😉
Hingegen manch eine Textzeile oder ganze Lieder erlangen mit seinem Tod scheinbar eine besondere …. eine tiefere Bedeutung.

Mit dem Wissen von heute auf meinen Kinderwunschweg zurück zu blicken fühlt sich …. ein wenig ähnlich an 😉
Es ist eine Mischung aus manchmal wehmütigen Gedanken – aber tatsächlich auch Erinnerungen an wirklich brüllend komische Situationen und viele auch wunderschöne Momente.
Ebenso wie auch all die Gefühle, die zur Trauer dazu gehören – zB. Traurigkeit, Verzweiflung, Wut, Hilflosigkeit, Neid und manchmal unfassbare Erschöpfung – in meinem Gedächtnis noch abrufbar sind, wenn ich mich wirklich bewusst daran erinnern möchte. Und ganz manchmal auch noch dann, wenn ich mich nicht bewusst daran erinnern möchte 😉
Ich komme noch darauf zurück.

Mit dem Wissen von heute – als Mutter von 3 Sternenkindern, die den Kinderwunschweg hinter sich gelassen hat – zurück zu blicken, auf die zu Beginn des Weges so hoffnungsvolle Isa von damals, die sich nicht mal annähernd hatte ausmalen können, was ihr alles widerfahren sollte in den Jahren, die da vor ihr lagen – das fühlt sich manchmal auch etwas eigenartig an und …. verleiht der einen oder anderen Situation im Rückblick eine noch tiefere Bedeutung.

Dennoch oder gerade des wegen blicke ich nicht mehr all zu oft zurück.
Das Erlebte ist Teil meiner Biographie. Die ganz besonderen Momente und Geschenke, bittersweet, sind in den tiefsten Tiefen meiner Seele gespeichert. Für die Ewigkeit.
Ich muss also nicht mehr zurück blicken 😉 Es gibt wenig Veranlassung, das heute noch zu tun.
Ich kann – nachdem ich jahrelang mit meinen Gefühlen und Gedanken oft auf die Zukunft ausgerichtet war – ganz im Jetzt sein. Mit neuen kleineren und größeren Zielen und Träumen für die Zukunft.

MEIN ZIEL – Ist immer ein Ziel zu haben
Und endlos weit über Grenzen zu geh’n.
MEIN ZIEL – Über die Schatten zu springen,
Hinter die Träume zu seh’n.

Udo Jürgens, „Mein Ziel“ Album „Mitten im Leben“

Nein, ich bin nicht in´s Wonderland gepurzelt, kotze seitdem täglich Konfetti und alles war gleich die große Party. 
Dadurch, dass unser Kinderwunschweg mit einer späten Fehlgeburt unseres Sohnes endete, war ich zunächst viel mehr mit der Trauer um den konkreten Verlust unseres Kindes beschäftigt.
Diese doppelte Trauer – um den Verlust eines weiteren Kindes und wenig später das Betrauern des Verlustes eines ungelebten Lebenstraums – die hat es, wen überascht das, nicht leichter gemacht.
Aufgrund dieser Erfahrung, mit der ich ja leider nicht alleine da stehe, spreche ich manchmal die sanfte Mahnung aus, bei der persönlichen Entscheidungsfindung über weitere Zeit im Kinderwunsch-Business JEDES mögliche Szenario eines weiteren Versuches mit zu denken und zu einer soweit möglich realistischen Einschätzung zu kommen, ob man auch JEDES mögliche Szenario noch (ein weiteres Mal) verkraften würde.
Was zu Beginn des Kinderwunschweges weniger eine Rolle spielt und auch nicht gut wäre – nämlich auch potentielle Katastrophen mit zu schneiden – wird meines Erachtens immer wichtiger, je länger der Weg dauert und je mehr zum Teil traumatische Erfahrungen eine schon hat machen müssen.
Hinzu kommt dann für die meisten sicher noch der eine oder andere Diagnose-Schock im Laufe der Jahre. Gegen diesen Berg an Päckchen, den man da anhäufen kann auf einem langen Kinderwunschweg, ist das Depot der Deutschen Post während des Streiks mal ein gepflegter Scheissdreck.
 
Unsere Entscheidung, den Kinderwunschweg zu verlassen, erfolgte aufgrund einer ärztlichen Fehlberatung wie ihr wisst, kurz nach dem 3. Sternenkind für uns alternativlos …… und ein Stück weit sicher auch vor der Zeit, die diesen Entschluss hätte noch zu Ende reifen lassen sollen.
So wie manch anderen eben irgendwann die finanziellen Ressourcen ausgehen oder die psychischen oder plötzlich einer der Partner nicht mehr „mitziehen“ will. Oder, oder, oder.

All solche Umstände können ein Ende dann auch mal recht unvermittelt herbei führen. Selbst wenn man vorher einen kinderlosen Ausgang immer mit auf dem Schirm hatte. (Einige wenige haben das tatsächlich nicht. Was später alles enorm verkomplizieren kann.)
Andere wachsen einfach über eine längere (Behandlungs-) Pause aus dem aktiven Kinderwunschweg hinaus während wieder andere ihren Schlussstrich geplant(er) ziehen.
 
So persönlich jede Geschichte hinter einer ungewollten Kinderlosigkeit ist, so individuell jeder Kinderwunschweg verläuft, so verschieden sind auch die Geschichten des Abschieds, so unterschiedlich die Gründe, die dazu führen, dass und wann eine ihre „Linie in den Sand malt“. Und genau so individuell verläuft auch die Zeit danach, in der wir betrauern, heilen und uns durch all das und an all dem entlang neu ausrichten. 
 
Ich schreibe das in Fett und Pink …… und ich würde es auch noch blinken lassen, wenn ich könnte 🙂 ……….. weil genau hier ein großes Missverständnis zum Thema Trauer allgemein beginnt.
 
Wir haben in der Psychologie verschiedene Modelle, die Trauerprozesse beschreiben. Dabei gehen vor allem die älteren Modelle von den sogenannten Trauer-Phasen aus. (z.B. nach Verena Kasts 4-Phasen-Modell: „Leugnen“, „intensive
Emotionen“ „Suchen, Finden, Loslassen“ und „Akzeptanz, Neuanfang“).
Die tatsächlich nur hypothetische Annahme, dass Trauer einem festen Schema folge, innerhalb dessen einzelne Phasen nacheinander durchlaufen werden (müssen), damit man am Ende die Trauer erfolgreich „bearbeitet“ hat, hält sich relativ hartnäckig…….obwohl sich dies für trauernde Menschen praktisch eher als weniger hilfreich erwiesen hat. Denn in der Realität durchlaufen Menschen ihre Trauer selten streng schematisch. Und dabei ist es auch völlig egal, ob wir den Tod eines geliebten Menschens, Tieres oder den Verlust eines Lebenstraums zu betrauern haben. Wer je eine dieser Erfahrungen machen musste, wird das für sich selber möglicherweise bereits festgestellt haben oder im Rückblick erkennen können.
 
Die Phasen-Modelle führen oft zu Verunsicherungen darüber, ob man selber oder jemand, den man in seiner Trauer begleiten möchte, denn auch „normal“ trauert.
Trauert man vielleicht zu viel, zu lang, zu heftig ? (z.B. Elaine fragte sich das in den Kommentaren zum letzten Blogpost: „Wie weiss ich, dass meine Trauer noch normal ist, und wann „kippt“ sie ins Ungesunde? Sie macht mir manchmal etwas Angst…“ )
Oder aber ist man durch die Trauer vielleicht fahrlässig schnell durchgehuscht, hat seine Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht? Macht man sich vielleicht gar etwas vor, wenn man so schnell akzeptiert hat, was doch ausführlich „betrauert“ gehört ? Kommt das dicke Ende etwa noch ?
Die, die mal Zwei Linien war ;), fragte sich das: „Und ich frage mich, ob ich Schuldgefühle haben sollte, weil ich keine
Schuldgefühle habe, dass ich aufhören will. Ich habe nämlich keine. Ich
habe das Gefühl, ich habe alles in MEINER Macht stehende getan – und
hier ist nun mal das Ende erreicht.“
Tante Oeko fragte sich neulich in ihrem Blogpost übrigens Ähnliches – fast ein wenig bang.
Und viele andere Betroffene werden sich genau die gleichen Fragen stellen.
 
Glücklicherweise setzt sich zunehmend die Erkenntnis der Diversität von Trauer durch. Will heißen….siehe fett, pink und blinkend oben 😉 ….  Trauer ist vielfältig in ihren Verläufen. In ihrer Intensität. In ihrem persönlichen Erleben. In ihrer Dauer.
Sie verläuft außerdem viel eher in sich wiederholenden und teils gegenseitig brechenden Wellen als in starren Phasen. Wer sich mit dem Thema noch ausführlicher beschäftigen möchte, der kann das zum Beispiel hier tun.Wie viele Aspekte im Fall des Abschieds vom Kinderwunsch unsere persönliche Trauererfahrung beeinflussen überrascht, wenn man das Ganze mal genauer betrachtet.Ganz sicher hängt die Verarbeitung und das Erleben nach dem Schlussstrich unter den KiWu-Weg

– mit dem Verlauf unseres vorherigen Weges zusammen,
– mit unserer frühzeitigen und konstruktiven Auseinandersetzung mit einem kinderlosen Ausgang,
– mit unserer Persönlichkeitsstruktur,
– mit dem Grad vorhandener Resilienz,
– mit der Anzahl von traumatischen Erlebnissen auf dem Kinderwunschweg,
– aber auch damit, ob und mit wie vielen weiteren Trauererfahrungen jemand vielleicht zeitgleich auch noch zurecht kommen musste (das Leben ist ja nicht nur Kinderwunsch, nicht mal IM Kinderwunsch)
Unsere Trauer rund um den Abschied vom Kinderwunschweg hängt weiterhin auch ab
– von bereits gemachten Trauererfahrungen – denn akute Trauer triggert sehr oft auch alte Trauer. Holt vorhandene Verlusterfahrungen nach oben. Berührt auch vorhandene Ängste. Und…
– sie geht nicht selten auch einher mit einem bewussten Abschied der eigenen Kindheit.

Und auch dies kann eine ganz eigene Trauer auslösen. Denn mit dem Kinderwunsch ist sehr oft (unbewusst) auch entweder die Absicht verbunden, den eigenen Kindern eine schönere Kindheit zu ermöglichen, als man sie selber hatte – und hier auch für sich selber etwas wieder gut zu machen. Oder aber der Wunsch, die Erfahrungen einer behüteten Kindheit weitergeben zu wollen und sie damit auch ein Stück wieder aufleben zu lassen.

Im Fall der Kinderwunsch-Abschiedstrauer handelt es sich darüber hinaus um einen sogenannten uneindeutigen Verlust. Eine erträumte Zukunft, Sehnsüchte werden sozusagen zu Grabe getragen.
Wo im Falle eines konkreten Verlustes die Liebe irgendwann die Trauer in dankbare Erinnerungen verwandelt, fehlt hier diese konkrete Bewältgungsstrategie.

Was wir während des Kinderwunsches schon haben lernen dürfen: „Vergleiche Dich und Deine Erfahrungen nicht mit anderen…. Es tut Dir nicht gut, es ist nicht hilfreich und der Vergleich hinkt in der Regel der Fälle“ das gilt unbedingt auch für den Abschied vom Kinderwunsch und seine Bewältigung.
Es ist Deine Geschichte. Es sind Deine Emotionen. Deine Gefühle/Reaktionen darauf. So viele verschiedene Dinge beeinflussen Dein Erleben.
Auch wenn man immer wieder auch größere Übereinstimmungen im groben Verlauf bei Betroffenen feststellen kann. Jeder trauert am Ende eben auch immer ganz individuell !

Du bist nicht zu schnell.
Oder zu langsam.
Du trauerst nicht zu viel.
Oder zu wenig.
Du bist nicht wieder komplett auf Null zurück geworfen, wenn Du plötzlich nach einer doch schon glücklichen „Phase“ eine Art „Flashback“ bekommst.
Es gibt sie. Die Trigger. So ist das nun mal. Und manchmal triggern sie einen stickum aus dem Nichts.
Sich die Trauergefühle tatsächlich als Wellen vorzustellen ist dabei hilfreich. Und weniger kontraproduktiv als von „Rückfällen“ auszugehen….aus Phase 3 zurück in Phase 1 – zur Strafe sozusagen ? 🙂  #möp „schon wieder versagt/gescheitert. Nicht mal richtig trauern kann ich….?!“
Nope ! Das ist Bullshit.

Die gute Nachricht ist, dass die traurigen Wellen sanfter werden. Dass das Erleben von negativen Emotionen und Gefühlen irgendwann seltener wird, weniger lang anhält.
Es sind nur Wellen.
Es.sind.nur.Wellen.
Nicht die Ewigkeit.

Das selbe gilt übrigens auch………für Deinen Partner/Deine Partnerin. Btw 😉
Auch er/sie muss seinen/ihren Weg in seinem/ihrem Tempo gehen dürfen.
Und relativ wahrscheinlich ist dieser Weg, das Tempo, die Bewältigungsstrategie eine völlig andere als Deine. Hier hilft nur eins: Akzeptanz und Toleranz. Sich selbst und dem anderen gegenüber. Und das grundsätzliche Verständnis dafür, was Trauer bedeuten kann. Nämlich….am Ende alles.

Lasst Euch um Himmelswillen nicht einreden, dass mit Euch etwas nicht stimmt. Nicht vom Umfeld, welches es oft einfach sogar wirklich nur gut meint und sich um Euch sorgt. Nicht von der Gesellschaft. Nicht von irgendwelchen Medien oder anderen Schlaubies.
Und redet Euch das auch selber nicht ein 😉

Ja, es kann passieren, dass man sich in seiner Trauer verläuft. Nicht mehr alleine hinaus findet.
Die Grenzen zu erkennen ist für einen selber nicht immer so leicht. Gerade weil Trauer so individuell und vielfältig verläuft. Und weil akute Trauer schon per se eine enorme Wucht haben kann.

Ich bin sowieso grundsätzlich sehr für eine professionelle Trauerbegleitung. Weil sie entlasten und Leitplanke sein kann, wo einem zeitweise das Gefühl für Zeit und Raum fehlt. Weil es hilfreich ist, wenn jemand von Außen mit drauf schaut. Ein guter Trauerbegleiter, ein erfahrener Coach oder Therapeut wird Dir immer den Raum geben, den Du benötigst.

Und manchmal ist eine professionelle Begleitung alternativlos.
Zu den Warnsignalen, die Du auf jeden Fall für Dich selber kennen solltest, zählen (und dafür müssen nicht alle Punkte erfüllt sein 😉

– wenn Deine Gedanken nur noch um Deine Kinderlosigkeit kreisen 
– Du über die Zeit keinerlei Veränderungen in Deinem Erleben feststellen kannst.
Wenn Du längerfristig
– nicht mehr in der Lage bist, Deiner Arbeit oder/und alltäglichen Besorgungen nach zu gehen
– wenn Du morgens nicht mehr aufstehen kannst
– wenn Du nicht mehr schlafen kannst
– wenn Du nur noch schläfst
– wenn Du nichts mehr essen kannst
– wenn Du das Gefühl hast, Dein kinderloses Leben sei völlig sinnlos
– wenn Du Dich vollkommen isoliert hast
– wenn Du kein Netzwerk hast, niemanden, mit dem Du darüber reden kannst
– wenn Du keinerlei positive Empfindungen mehr verspürst
– wenn Du suizidale Gedanken hast !

Oder ganz einfach auch dann, wenn Du das Gefühl hast, es zu brauchen !

Spätestens dann bitte zögere nicht länger, Dir für eine Weile professionelle Unterstützung zu holen !

 

Ein Hilfe zur Selbsthilfe Tip ist das Führen eines (Trauer-) Tagebuches. In ihm kannst Du bei Bedarf relativ leicht ablesen, wie und ob sich Deine Gefühle, Gedanken, Erfahrungen im Laufe der Zeit verändern. Wie dynamisch Dein Weg ist.

Und jedes Scheitern – bringt dich voran.
Du kämpfst in der Krise – erfindest dich neu.
Und am Ende fängst – von vorne du an
Und bleibst nur dir selber treu.
Udo Jürgens, „Mitten im Leben“

Trauer und Glück, Leben und Tod, Abschied und Neubeginn. Das eine – ohne das andere undenkbar.
Leider besteht in unserer Kultur der Hang dazu, Trauer gerne mal zu pathologisieren.
Wer trauert ist verletzlich. Erscheint in seiner Schwäche. Die ungeheure Stärke, die der Trauer innewohnt und die aus ihr erwächst, erwachsen kann, die wird selten(er) wahrgenommen.

Ungewollt Kinderlose – vor allem ungewollt kinderlose Frauen – sind ein dankbares „Opfer“ dieser Sichtweise. Blieb ihnen doch schließlich die Mutterschaft verwehrt. Das höchste Gut seit Menschengedenken.
Da muss Eine ja verrückt werden, wenn ihr so etwas passiert.
Oder ?
Immer am Rande des Wahnsinns.
Oder ?
Wie will man da überhaupt noch ein sinnvolles Leben führen?
Ein Leben ohne Kinder ist doch sinnlos.
Oder ?
Laber Rhabarber.

Die Stereotype werden so schnell nicht aussterben. Nicht solange
diese Gesellschaft Kinderlose als Projektionsfläche für ihre eigenen
negativen Gefühle so dringend braucht. Und als Prellbock für eine seit
Jahrzehnten verfehlte Familien- und Rentenpolitik natürlich auch. Jo, geht klar.
Mit meiner Lebensrealtität hat ALL DAS herzlich wenig zu tun. Aber mach was dran 🙂
Ich bekomme btw. nicht mal ´ne gesetzliche Rente später *grins*

Lächeln, winken, Arschloch denken.
Arschloch sagen…..geht durchaus auch mal klar 🙂
Aber ….. da wären wir jetzt schon wieder mitten in einem neuen Thema.

Stehen wir zu unseren Geschichten. Zu unseren Narben. Und zu unserer ganz individuellen Trauer, die einfach dazu gehört.
Niemand sollte sich dafür schämen müssen. Niemand. Im Gegenteil !
Wir sollten stolz sein auf uns. Stolz darauf, an unsere jeweiligen persönlichen Grenzen gegangen zu sein, der Liebe zu unseren ungeborenen Kindern auf diese Weise Ausdruck verliehen zu haben.
Stolz darauf, uns diesem Schmerz ausgesetzt zu haben und ihn nicht nur irgendwie überlebt sondern ihn erlebt zu haben.
Stolz darauf, nicht nur die Kraft gehabt zu haben, so viel für einen Traum zu geben sondern auch eines Tages stark genug gewesen zu sein, los zu lassen, was vorbei ist.
Weiter gegangen zu sein. Gewachsen zu sein an dem, was wir erlebt haben.
Was wichtig ist, das ist nicht, was du hast.
Nicht, ob dein Leben andern‘ Leuten paßt.
Ich bin vor keinem Traum zurückgescheut,
doch habe ich auch nichts bereut.
Was wirklich wichtig ist, weiß ich erst heut‘.
Udo Jürgens, „Was wichtig ist“

Im Frieden zu sein.
„Mitten im Leben“

Jetzt.
 

 
Namaste
Isa  
 

18 Gedanken zu „Was wichtig ist … Teil 1

  1. Liebe Isa,

    mit diesem wundervollen Artikel hast Du mich zu einem Blogbeitrag inspiriert, der etwas in mir zutage gefördert hat, was schon lange da ist und heute in Worte gefasst werden wollte. Beim Veröffentlichen hatte ich eben dieses "BÄÄÄÄÄÄÄÄÄMMMM!!!!!-Gefühl". Ich habe mir in meinem Artikel erlaubt, auf Deinen hier zu verlinken, denn der ist in sich einfach klasse!!!
    Was ein Aschenputtel mit Burn-Out und Dein Artikel miteinander zu tun haben? Du weißt es bestimmt…

    Fühl Dich herzlich umarmt, wenn Du magst.
    Herzlichst,
    Kristina

    http://www.herzensreich.org/aschenputtel-mit-burn-out-oder-wenn-traeume-wieder-fliegen-lernen/

    1. Liebe Kristina,
      wie toll ! Das freut mich so sehr !
      Wenn Gedanken Flügel bekommen, sich woanders niederlassen und sich dann in anderen Köpfen und Herzen in neue Richtungen weiter entwickeln….das ist so schön. Magisch. Und mit ein Grund für mich, meine Gedanken überhaupt hier mit anderen zu teilen.
      Ich danke Dir !

      Umarmung zurück.
      Isa

  2. Hallo Ihr Lieben,
    wollte kurz sagen, lieben Dank, ich habe Euch gelesen !
    Leider gerade mit wenig Zeit.
    Melde mich nochmal 🙂
    Isa

  3. Oh, Isa, du bist wunderbar. Von Herzen ein riesiges Dankeschön für diesen Text. Ich habe ihn mehrmals gelesen und werde ihn wohl wieder lesen. Es hilft. Auch die Verlinkungen zu den weiteren Informationen sind super. Ich werde mich da nach und nach durchlesen.

    Mir ist bewusst geworden, dass ich nicht viel über das Trauern weiss. Erst einmal im Leben habe ich auf ähnliche Weise getrauert, und damals war's – durch eine Verkettung von verschiedenen Umständen, wie ich im Nachhinein verstehen konnte – nicht so gut ausgegangen.
    Was Angst macht, ist wohl, dass mich manches von heute an damals erinnert. Aber ich habe daraus gelernt. Ich kenne mich besser. Ich habe gelernt, "egoistisch" zu sein. Das fällt mir manchmal immer noch schwer. Und – dafür bin ich besonders dankbar – meine Lebenssituation heute ist stabiler.

    Mein Netzwerk, hm. Leider sind wir vor ein paar Jahren umgezogen, und das tragende Netz befindet sich geografisch gesehen noch nicht hier. Die KiWu-Behandlungen haben meine Zeit und Energie fast komplett geschluckt. Meine Investitionen in neue Freunde vor Ort hielten sich daher ziemlich in Grenzen. Aber ich habe langjährige Freundinnen, auch wenn sie geografisch nicht so nah sind. Dafür gibt es das Telefon. Und den Zug ;-).

    Schöne Momente erlebe ich immer noch, Gott sei Dank. Letztes Wochenende waren mein Mann und ich zum Segeln eingeladen. Ein Traum.

    Liebe Isa, ich schliesse mich Tante Öko an, was den Dank angeht. Worte scheinen mir dafür einfach zu wenig. Wie ich schon einmal sagte: Belle und du seid für mich absolute Heldinnen! Danke, danke, danke. Dafür, dass Ihr redet (schreibt). Ich weiss, dass es noch so viele mehr von uns CNBC geben muss, aber wir hören so wenig voneinander. Eure Worte sind eine Art Insel im luftleeren Raum.

    Nun wünsche ich dir (und allen hier) ein wunderschönes, erholsames Wochenende!
    Elaine

    1. Liebe Elaine,

      ich danke Dir für Dein großes Kompliment und ich gebe es gerne zurück.
      Du bist nicht weniger Heldin, genau so wie jede und jeder da draussen, der sich jahrelang den Bemühungen um die Erfüllung des Kinderwunsches gestellt hat – nur um am Ende die nächste Challenge zu bestreiten: ungewollt kinderlos zu bleiben und diesem Lebenskonzept, welches nicht freiwillig gewählt ist, Lebendigkeit zu verleihen. Sich selber neu zu erfinden.

      Belle und mich unterscheidet da tatsächlich nur, dass wir eben relativ offen darüber reden. Und wir freuen uns so sehr darüber, dass immer mehr zumindest schon mal hier bei uns den Mut finden, sich in den Kommentaren zu äußern. Sich auszutauschen.
      Es ist so wichtig, sich auszutauschen, zu öffnen, mit anderen Betroffenen zu kommunizieren – denn nur auf diese Weise lässt sich die Isolation durchbrechen. Zu wissen, dass wir Viele sind. Nicht allein mit diesen Erfahrungen, diesem Weg ist auch für Belle und mich immer wieder ein Geschenk. Ihr alle gebt uns auch sehr viel zurück !

      Ich finde es toll, wie viel Du Dir für Dich selber bereits bewusst gemacht hast. Das ist enorm ! Du hast den aktiven Weg ja noch nicht allzu lange verlassen. Das darfst Du bei all dem nicht vergessen ! Auch dieser Weg ist keine Kurzstrecke und ich finde, Du bist auf einem guten Weg.
      Selbstfürsorge in jeder Beziehung ist dabei so, so wichtig. Und ja, dazu gehört ein ein gesunder Egoismus. Unbedingt !!

      Bis hoffentlich bald.
      Alles Liebe Isa

  4. Liebste Isa,

    mal wieder ist es so, dass du Worte dafür findest, was in meinem Kopf, meinem Herz nur als diffuse Gefühle herum wabert, die ich oftmals nicht richtig greifen kann, oder wenn, nur kurz an einem Zipfel erwische und sie dann doch wieder entfleuchen. Obwohl ich für mich persönlich z.B. der Meinung bin, dass ich für MICH in einer guten Art und Weise trauere oder getrauert habe oder immer mal wieder trauern werde, geben mir deine Wort doch Halt und bestärken mich. Denn das ist etwas, was ich noch lernen möchte und auch muss, aus reinem Selbsschutz: auf mich zu achten und zu achten, was ich da für mich in dem Moment, den Momenten tue. Ich stehe bzw. stand in meinem Leben nicht unbedingt oben auf der Liste der Menschen, denen ich etwas Gutes getan habe. Wahrscheinlich auch nicht an 2. oder 3. Position…Aber diese Linie, die wir bzw. ich in den Sand gezogen habe, war ein Anfang dessen. Ein erster Schritt, die Leiter der Nächstenliebe ein Stück weit hoch zu kraxeln. Wahrscheinlich der wichtigste Schritt. Mich loszulösen von all dem "was wäre wenn, was wäre noch möglich, was würden andere tun, was werden andere denken, was werden andere sagen, was…könnte ich mir selbst in 1, in 5, in 10, in 20 Jahren vorwerfen" Und noch nie hat sich etwas so richtig angefühlt!!! Wie schon geschrieben: "mein Sparschwein des Machbaren ist geleert und ich nehme keinen Dispo auf meine Seele auf…" Du spielst auf den IKEA Blogpost an mit deiner Erwähnung oben nehme ich an? Ja, mir war ein bisschen bange, aber eher so, "ich weiß, dass ich das Seepferdchen gemacht habe und schwimmen kann, aber kann ich jetzt auch in einem echten "Schwimmer-Becken" über Wasser bleiben? Ohne den rettenden Rand eine Armlänge entfernt? Ohne Flachwaserbereich einen Schwimmzug hinter mir?" Solche Situationen werde ich wohl noch öfter erleben und ehrlich gesagt: ich FREUE mich darauf, zu sehen, wie sie sich das entwickelt.
    Isa, mein Dank für die Gedanken, die du mit uns teilst, kennt keine Worte!!!
    :-* :-* :-*

    1. Liebe Tante Oeko,

      vielen lieben dank für Dein Feedback und: sehr gerne ! Ich freue mich, wenn meine Postings dazu beitragen, dass sich jemand etwas leichter fühlt.
      (Ich denke immer: jeder soll sich da bitte das raus ziehen, was für ihn passt und den Rest einfach in die Tonne klopfen 🙂 )

      Ich finde Dich toll, Tante Oeko ! Du bist so lebensbejaend, so unfassbar positiv dem Leben gegenüber eingestellt. Du wirst nicht ertrinken, meine Liebe. Niemals. Da würde ich alles drauf wetten, was ich habe.
      Vielleicht wirst Du nochmal Wasser schlucken, zwischendurch. Aber Du wirst weiter schwimmen. Auch im offenen Meer. Ohne Flachwasserbereich.

      Bis an den Strand… zur Beach Bar (das ist tatsächlich ein altes Bild, was Belle und ich früher oft verwendet haben 😉 )

      Ja, die hätte, wenns und abers. Kenne ich. Wenn alles gut ist, wie es ist – und man sich trotzdem oder deshalb fragt, ob das denn überhaupt sein kann. Sein darf.

      Es kann !
      Und es darf !

      "mein Sparschwein des Machbaren ist geleert und ich nehme keinen Dispo auf meine Seele auf…"

      BÄÄÄMMMM ! 🙂

      Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen !

      Bis bald.
      GLG, Isa

  5. Liebe Isa, was für ein wundervoller Post und mit deiner Passage über den "uneindeutigen Verlust" hast du so wundervolle Worte gefunden, ich kann meine Gefühle beim Lesen dieses Posts schwer beschreiben. Aber danke für diesen tollen Post.
    Glg Sternenmami

  6. Ach Isa, ja, das besondere der letzten Male und die Erinnerung und Trauer… im Moment allgegenwärtig… danke für diesen Text …. ich drück dich und melde mich bald!

    Maria

    1. Liebe Matia, bitte mach das ! Ich hab oft an Dich gedacht in letzter Zeit, warte aber ganz (un)geduldig auf neue Nachrichten 😉 Kuss, Isa

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