Was wichtig ist…(3)

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geschrieben von Isa:

 

gänseblümchen  / pixelio.de

Von Kackvögeln, Demographie, Statistiken, Franz Josef Wagner, Sozialromantik, Schuldzuweisungen, populistischer Familien- und Rentenpolitik, Mütter-Idealen, der kontraproduktiven Unterscheidung zwischen gewollt und ungewollt Kinderlosen, dämlichen Vorurteilen und künstlich befeuerten Grabenkriegen zwischen Eltern und Kinderlosen. 

Und smoothies. Don´t forget the smoothies. 

***

Vor kurzem habe ich Euch gefragt, zu welchen Themen Euch ein Austausch interessiert und ob und welche Fragestellungen Euch umtreiben, Euch besonders interessieren und wozu Ihr gerne meine 5 Cent lesen würdet. Entstanden ist daraus die kleine Serie „Was wichtig ist….“. 


Ein auch für mich wichtiges Thema hat Pealotte angesprochen: die Ausgrenzung und Diskriminierung ungewollt Kinderloser in dieser Gesellschaft:

Hallo Isa!

Was mich immer wieder brennend interessiert: Wie kommt
ihr mit dieser nich freiwillig gewählten „Außenseiter-Position“ klar?
Es ist ja eine Sache, zu sagen: Zum Glück gehöre ich nicht zu diesem
Club – und eine andere, jahrelang soviel dafür getan zu haben, mit allen
anderen family-Urlaub zu machen, über Kitas zu quatschen und Laternen
zu basteln…

Und wie hält man diese gelegentlichen mehr oder
weniger bewussten Diskriminierungen („Und wenn ihr mal ganz entspannt
Urlaub macht?“ „Und wenn ihr einfach nicht zusammenpasst, biologisch und
so?“ oder wenn die Junge Union eine Kinderlosen-Strafsteuer einführen
will?) dauerhaft aus, ohne jedes Mal auszuflippen?

Und wielange muss man so viel Energie auf die Verarbeitung des Kinderwunsches verschwenden, bis es endlich geschafft ist?

Danke euch jedenfalls für euren sehr wohltuenden Blog, für diese Nische…

LG Pealotte

Ich fürchte, das wird eine längere Antwort werden 🙂 Nicht alles bezieht sich auf Deine Fragen oder auf etwas, was speziell DU gesagt hättest. Ich entwickel meine Gedanken aber einfach sehr gerne an Deinen Fragen als Aufhäner entlang und weiter.

Der eine Punkt ist doch der: über welche individuellen Bewältigungsstrategien verfüge ich, um für mich selber zu einem glücklichen kinderlosen Leben (zurück) zu finden. (Hier unterscheidet sich die Herausforderung der CNBC (childless not by choice) von denen der CBC (childfree by choice) zunächst, da vor diesem dauerhaft kinderlos glücklichen Leben für uns eine Phase der Neu-/Umorientierung stattfindet).
Der andere Punkt betrifft den Umgang mit Ausgrenzung, Vorurteilen und Stereotypen bis hin zu struktureller Diskriminierung durch das Außen. Hier teilen CNBC und CBC nach meinem Dafürhalten die gleichen Erfahrungen – mit einigen (vermeintlichen) Unterschieden und einem gewaltigem Haken daran. Darauf komme ich später nochmal zurück

Fakt ist wohl, dass vor allem kinderlose Frauen (Männer deutlich weniger) einem ständigen öffentlichen und individuellen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sind. Unsere kinderlose Lebensrealität müssen wir permanent erklären. Persönlich wie auch im gesellschaftspolitischen Diskurs. Und zwar egal, ob sie gewollt oder ungewollt kinderlos ist. Kinderlose Frauen werden pauschal verurteilt: egoistisch, karrieregeil, kalt, Mannweiber, oberflächlich, herzlos …um nur einige der Anschuldigungen aufzuzählen, die ihnen gemacht werden.
Und es hängt auch den CBC nach allem was man hört und liest ebenfalls – wer könnte das denn eigentlich besser verstehen als wir CNBC – kilometerweit zum Hals heraus.
Solange Du offensichtlich in zumindest theoretisch „gebährfähigem“ Alter bist, meint ja auch noch der letzte Kackvogel da draussen, einen Anspruch auf Auskunft zu Deiner Reproduktionswilligkeit / -fähigkeit zu haben.

Kinder zu haben ist immer noch die Norm !
Auch wenn man Angesichts des prognostizierten Untergangs der westlichen Welt durch Aussterben mangels ausreichender Fortpflanzung und dem diesem Ereignis vorangehenden, ebenso begründeten Zusammenbruch des Rentensystems geneigt ist, etwas anderes zu glauben.
Verantwortlich für sinkende Geburtenraten ist aber weit weniger eine angeblich signifikant zunehmende Anzahl Kinderloser – sondern vor allem auch der Rückang der Mehrkindfamilien (> 2 Kinder).
Rein rechnerisch verantworten sich also dann bitte die Ein-Kind-Mütter künftig gemeinsam mit den kinderlosen Frauen für das gerne ausschließlich demographisch begründete, von ihnen angeblich verschuldete Rentendebakel. Wo wir doch schon im öffentlichen, populistisch-politischen Diskurs so gerne bei der Schuldfrage sind. #möp
So kommen wir ganz bestimmt weiter. Nicht. 🙂

Ausreichend verlässliche Zahlen und vor allem gesicherte Prognosen zum Ausmaß sinkender Geburtenraten und absoluter Kinderlosigkeit fehlen außerdem und die verwirrende und teils verworrene Erhebung und Replikation von Datenmaterial ist vor allem darauf zurück zu führen, dass die Geburtenraten auf immer wieder unterschiedliche Altersgruppen von Frauen zurück gerechnet werden.

Das Statistische Bundesamt errechnete für das Jahr 2013 die sogenannte „gesamte Geburtenziffer“ mit 1,4 Kindern je Frau. Die Bezugsgröße dieser Berechnung sind die Frauen, die im Jahr 2013 zwischen 15 und 49 Jahren waren.
Der Anteil der kinderlosen Frauen in diesem sogenannten gebährfähigen Alter wird (…. nice übrigens, allein die Begrifflichkeit) in den letzten Jahren mit durchschnittlich etwa 42% angegeben.
Für die Altersgruppe der 40-44 Jährigen hingegen waren es nach Angeben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2012 22% kinderlose Frauen (also jede 5. Frau). Wir merken nochmal, für kinderlose Männer interessiert man sich bei dieser Erhebung nicht!

Vergleicht man nun – und nur das ist sinnvoll, wenn man überhaupt irgendwelche aussagekräftigen Schlussfolgerungen zum Thema Kinderlosigkeit aus den Zahlen ableiten will – über viele Jahrzehnte bestimmte Gruppen von Geburtenjahrgänge miteinander, so stellt man ziemlich schnell fest, dass der Anteil kinderlos bleibender Frauen seit 1900 je Kohorte nur geringen Schwankungen nach oben und unten unterworfen ist. Von den 1901 bis 1904 geborenen Frauen blieb sogar jede 4. Frau kinderlos (- und damit mehr als heute. #nurmalso).

Am 22.07.2015 weinte Franz Josef Wagner die Bild-Zeitung nass. Da hatte er herausgefunden, dass wir mehr Tote als Babies haben ! Klick Er konnte sich aber im weiteren Verlauf seiner „Kolumne“ nicht so richtig entscheiden, ob daran jetzt die kinderlosen Karrierefrauen oder die gleichfalls hosenanzugtragenden Karriere-Mütter Schuld sind. Aber….Frauen. Nä. In jedem Fall sind Frauen Schuld. Oder Smoothies. Man weiß nicht so recht.

Ja, wir haben mehr Tote als Babies.
Manchmal haben wir auch tote Babies, Herr Wagner.
Und davon abgesehen – jetzt bitte ganz tapfer sein – es ist ja noch viel schlimmer als gedacht: „Der letzte Jahrgang, der sich in der Zahl seiner Kinder ersetzt hat, wurde bereits 1880 geboren.“ (Wahl, 2003, S. 4) Ob es bereits kurz darauf schon Smoothies gab, weiß ich aber nicht. Das müsste man mal recherchieren.

Verhältnismäßig jüngeren Datums dagegen ist die wieder zunehmende Idealisierung von Elternschaft und Wiederbeschwörung eines konservativen Familienideals, welches realiter viel vom Charme der 50er Jahre hat. Stepford-Alarm.
Politisch gewollt und – medial auf Hochglanz gebracht – untersützt. Hervorgebracht hat das vor allem einen den Sinn ihres Lebens über die Kinder definierenden Eltern-Typ, der seine gesamte Daseinsberechtigung daraus zu beziehen scheint, seine Gene vervielfältigt zu haben.
Ich frage mich allerdings, warum vor allem diese Eltern die Sinnlosgkeit eines kinderlosen Lebens fortwährend thematisieren müssen. Fast schon zwanghaft. Am Ende sagt eine derartige Fixierung auf Stereotype – alte psychologische Binsenweisheit – bei weitem mehr über den Sender der Botschaft, als ihm lieb sein dürfte 🙂

Zum Glück aber gibt es immer noch eine sehr große Anzahl an Frauen (und Männern sowieso), die so gar keine Lust haben, sich diesem Klischee-Elterntier gemein zu machen 🙂
Der Graben zwischen Kinderlosen und Kinderhabenden ist am Ende sowieso ein künstlicher – und er wird als Kollateralschaden des politischen Bemühens um eine Erhöhung der Geburtenrate in Kauf genommen. Das ist den Beteiligten ziemlich sicher klar – weil gewollt. Durch die Diskreditierung Kinderloser erhofft man sich ja ganz offensichtlich am Ende mehr Kinder. Für Vater Staat. Dabei ist der Effekt bislang… Null.

Ganz offensichtlich reicht die politisch-medial angeheizte Begeisterung pro Familie (aber natürlich nur im klassischen heterosexuellen, verheirateten Kontext, nä) aber dennoch nicht aus, um die Geburtenraten nun wirklich wieder nach oben zu treiben.

Während die bewusste Entscheidung gegen Kinder hochgradig verdächtig ist, findet man die Instrumentalisierung von Kindern offensichtlich völlig in Ordnung. Als Lebenssinnstifter für ihre Eltern. Als künftiger Rentenzahler im politischen Wahlkampf. Und die gesellschaftliche und politische Diskriminierung Kinderloser hält man für einen lösungsorientierten Umgang mit den Problemen, die sich aus der jahrzehntelang verschlampten Restrukturierungs und Neuoreinterungsnotwendigkeit unseres Rentensystems ergeben. Einer muss ja immer Schuld sein. Is ja klar.
Jau – als hätte dies je irgendein Problem gelöst. (Und die Tatsache, dass die Finanzierbarkeit des Rentensystems nicht alleine von demografischen Daten abhängt sondern wesentlich auch von der Kapitalbildung so wie der Produktivität von Arbeit und Kapital bestimmt wird usw. usf. die führe ich an dieser Stelle erst gar nicht weiter aus. Sonst sprenge ich wieder jeden Rahmen.)

Kommen wir doch lieber zum Eingemachten 🙂 Wo es also völliger Unsinn ist, das Versagen eines Systems zur persönlichen Schuld kinderloser Frauen zu machen und ihnen schlümmen Egoismus vorzuwerfen, da ist es ebenso sicher ziemlicher Unsinn, sich als UNGEWOLLT Kinderlose mit der Betonung dieses Umstandes quasi entschuldigen und ent-schulden  zu wollen – von sämtlichen der kruden Vorwürfe und Vorurteile.
Und ich erlebe, lese und höre diesen Reflex der Betonung des Aspektes „not by choice“ immer wieder und wieder innerhalb der cnbc-community RL und VL.
Und ganz interessanter Weise gibt es auch gewollt Kinderlose, die sich irgendwann, um blöde Fragen abzuschneiden und sich der Vorurteile zu entledigen, als ungewollt Kinderlose nach Außen benennen. Dann bekommen sie „wenigstens Mitleid“ (äh ja, liebe CBC-Schwestern, das nervt auf Dauer ebenso gewaltig) oder funny Ratschläge zum Schwanger werden (Jau – die findet man auch nur funny, wenn man nicht in Ächt betroffen ist.)

Merken wir da eigentlich auf beiden Seiten, was wir damit tun und erreichen, wenn wir uns genau so positionieren ?

Es kann doch nur EIN Schluss übrig bleiben und nur EINE Botschaft trägt: Kinderlosigkeit – egal ob gewollt oder ungewollt – ist kein Makel. Sie ist nicht falsch. Nicht schlecht.
Die mit ihr verbundene Diskriminierung und all die Vorurteile sind falsch ! PUNKT.

Ich überspitze mal: „Ich wollte Euch doch so gerne kleine Rentenzahler schenken….*schnief* – aber ich konnte doch nicht. Bitte haut mich jetzt nicht auch noch. Ich kann doch gar nix dafühür. Ich bin nicht egoistisch – ich wollte doch Kinder. Und ich habe sogar viel Geld für ART bezahlt“

Ladies im Ernst – aber da müssten doch jetzt eigentlich jeder die Ohren klingeln, angesichts der Haltung, die man damit einnimmt. Das ist der komplett falsche Ansatz meines Erachtens.
Und ich sag Euch auch, warum ich das denke: Da wo ich genau diesem Entschuldungs-Impuls nachgebe (egal ob als CNBC oder als CBC), zementiere ich in.genau.diesem.Augenblick die vorhandene Diskriminierung und muss mir die Frage stellen, inweiweit ich selber genau diese Vorurteile und Stereotype und Anschuldigungen gegenüber Kinderlosen verinnerlicht habe. Unter denen ich doch leide.
Als CBC.
Als CNBC.
Ungewollt Kinderlose als die „guten Kinderlosen“ ?
Dann erinnere ich mal:
KEINE Frau wird schwanger, um dem Staat ein Kind zu schenken.
Ein Kinderwunsch ist auf der Ebene der persönlichen Entscheidung immer egoistisch.
Also tuten wir doch jetzt bitte nicht in´s gleiche Horn !

Für mich sieht es klar so aus: Der Versuch der Assimilation – sich also als UNGEWOLLT Kinderlose der Gruppe der Eltern/Familien gemein machen zu wollen und sich von denen abzugrenzen, deren Lebensrealität aus egal welchen Motiven heraus eben im Kriterium der Kinderlosigkeit meiner eigenen viel mehr gleicht – birgt imo auch eine enorme persönliche Gefahr: nämlich einen Identitäts- und auch Rollenkonflikt. Nicht nur interpersonell sondern vor allem auch intrapersonell.
Wie weit und wie ehrlich kann ich mich denn in meiner dauerhaft kinderlosen Lebensrealität annehmen, wenn ich die formale Abgrenzung gegenüber gewollt Kinderlosen brauche ? Das wirft Fragen auf. Und meines Erachtens nach nicht nur die Frage nach der Motivation, diesbezüglich am sozialen (Familien-)leben teilhaben zu wollen.

Wie kinderlieb, wie familienorientiert, wie sozial engagiert und familienpolitisch interessiert jemand ist, macht sich nach meiner langjährigen Erfahrung weder an vorhandenen Kindern noch an vorhandenem Kinderwunsch fest. Ich kenne Ex-Kinderwunsch-Frauen, die haben mit Familienthemen heute so gar nichts mehr am Kleid – und ich kenne gewollt Kinderlose, die begeisterte Tanten sind oder Nenn-Omas für „adoptierte Enkel“. Ich kenne völlig unengagierte Eltern, die weder Zeit, noch Lust, noch die Kenne haben, sich außerhalb ihres Kindergeldschecks mit sozialpolitischen Themen zu befassen und ich verweise gerne auf die vielen (auch familien-) politisch hoch engagierten, gewollt kinderlosen Frauen (und Männer). In Parteien. In Vereinen. In Ehrenämtern. etc. pp.

Entweder wir überdenken als Gesellschaft unsere Konstrukt „Familie“ und das unsägliche Mütter-Ideal endlich komplett neu, stellen uns ernsthaft zeitgemäße Fragen zu den vielen, miteinander verwobenen Themen sozialer Gerechtigkeit und renovieren unsere längst überholten Modelle gründlich – oder wir können es auch gleich bleiben lassen. Das ist meine persönliche Meinung.
Die Hoffnung, als Teil der kinderlosen Minderheit sozusagen mit Sonderstatus unter einen erweiterten Familienbegriff oder gar unter ein erweitertes Eltern-Verständnis zu fallen, um auch ein Stück vom Kuchen elterlicher Privilegien abzubekommen – sei es finanziell, sei es in gesellschaftlichen Status-Fragen, sei es in Bezug auf jedwede Unterstützung – die wird sich imo komplett nicht erfüllen, sollte sie jemand hegen.
Auch nicht, wenn der Staat so gerne viele kleine Rentenzahler hätte. Ich sag´s mal böse: Werbekampagnen, mit denen gewollt Kinderlose überzeugt werden sollen, kosten sicher weniger, als weitere Zuschüsse zur Unterstützung von CNBC.

Familie ist.
Oder sie ist nicht.
Und hinter beide Sätze mache ich gerne einen Punkt.

Diskriminierung ist Diskriminierung.
„Ich habe ja keine Vorurteile, aber…. „
„Ich bin für Gleichberechtigung, aber … „
„Ich bin gegen Ausgrenzung, aber …“

Kein „aber“ hinter diese Sätze !
Egal in welchem Kontext.

xoxo,
Isa

P.S. Welche individuellen Bewältigungsstrategien habt IHR denn, mit der latenten bis offenen Ausgrenzung Kinderloser umzugehen ?
Meine Antwort auf diesen Teil der Frage, bleibe ich für heute „schuldig“ 😉

6 Gedanken zu „Was wichtig ist…(3)

  1. Liebe Isa,
    wow, wenn es euren Blog nicht geben würde, ich würde wohl noch ewig auf meiner paradisischen "heile-Welt-Gedankeninsel" in der Hängematte abchillen 😀 Hmm, ob ich auch immer so in die Verteidigungshaltung gehe, wenn es um das Thema "tun wir was für Deutschlands Rente" geht, weiß ich gerade absolut nicht zu sagen. Muss ich in mich gehen und einen Fuß aus der Hängematte setzen;) Dass ich aber wie ein seeehr lauter Rohrspatz schon darüber geschimpft habe, dass man in Deutschland, wenn doch mehr Kinder verlangt sind, auch verdammt noch mal (und hier musst du dir einen stampfenden Fuß von mir vorstellen 😀 ) den ungewollt Kinderlosen die Behandlungsunterstützung in Form von finanziellen Mitteln zur Verfügung stellen soll, kann ich so bestätigen. So u.a. in meinem Scobel-Blogpost im Januar, wenn ich mich jetzt richtig erinnere. Aber dass das gar nicht gewollt ist, evtl. wahrscheinlich, weil es immer noch teurer ist, als sinnfreie Werbekampagnen, die auf das Aha-Erlebnis der CBC hoffen, doch mal den eigenen CBC-Status zu überdenken (was man dem mündigen Bürger NATÜRLICH NICHT vorher schon abgesprochen hat;) ), darauf bin ich so gar nicht gekommen. Ich sag ja, paradisische Gedankeninsel manchmal…Ich glaube, dass es mir darum ging, dass ich Babys/Kiner toll finde, gerne Mama sein wollte und es als Lebensziel, bzw. sogar als Lebensberechtigung gefühlt habe. Kam sicher auch daher, dass ich einer sehr geborgenen Umgebung aufgewachsen bin und das so weitergeben wollte und mir nie wirklich Gedanken gemacht habe, dass da ein eigenes Kind in die Welt zu setzten nicht der alleinige Weg zum Heiligen Gral sein muss. Und die geschaftliche Diskussion hat sicher unterwusst auch in mir gearbeitet. Aber seitdem ich für MICH die Erkentniss hatte, dass ich einfach BIN, weil meine Eltern sich für mich entschieden haben und mich wollten, seitdem ist das alles wie verpufft. Man unterschreibt ja nicht als frisch auf der Erde angekommener Säugling, mit Fußabdruck oder Fingerabdruck, dass man, weil man selbst die Berechtigung des Seins erhalten hat, diese auch deshalb U-N-B-E-D-I-N-G-T legitimieren muss, in dem Mann oder Frau später selbst für Nachwuchs sorgt. Warum ein Mensch, ein Paar (in jeglicher Konstellation!) kinderlos ist, spielt für mich inzwischen keine Rolle mehr. Ich gebe dir völlig Recht Isa, wir brauchen ein Aufbrechen der alten Gedankenmuster und der überholten Rollen- und Wertevorstellungen. Bloß das Wie, da stehe ich noch ratlos vor. Klar, bei uns selbst anfangen, das lebe ich ja im Hinblick auf das Ökothema auch schon länger so und es ist mir völlig wurscht, was andere darüber denken und für wie verrückt sie uns halten. (gerade am Wochenende wieder erlebt und mir am Popo vorbeiziehen lassen;) ) Aber reicht das? Mich würden deine Gedanken dazu wirklich ganz echt dringend interessieren, was jeder einzelne von uns tun kann oder besser noch, wie wir ein großes Umdenken erreichen können. ( Und ich meine jetzt nicht a la, "in die Politik gehen" etc.).
    Ganz liebe Grüße,
    Tante Öko

    1. Liebe Tante Öko,

      natürlich ist es überspitzt und auch etwas polemisch von mir, der Subventionierung von ART Werbekampagnen für Familienglück entgegen zu setzen. Beides wird in konkretem Fall außerdem aus unterschiedlichen Töpfen finanziert. Mit Werbekampagnen meine ich vor allem ja auch die Schaffung und Zementierung eines Klimas, in welchem der soziale Druck auf Kinderlose dauerhaft aufgebaut und aufrecht erhalten wird und "Kinder bekommen" quasi zur moralischen Pflicht erhoben wird.
      Seit Jahren diskutieren Politiker das Thema – logischerweise medial verbreitet durch sämtliche Medien. Das kann man sozusagen als kostenlose Werbung sehen, CBC vom kinderhabenden Lebensmodell zu "überzeugen" 😉
      Fundierte Gegenargumente finden in der unsachlichen Demographie-Debatte ja eher selten Gehör.

      Ich bin übrigens auch sehr für eine vollständige Finanzierung der ART und psychologische Begleitmaßnahmen.
      Es ist ja fast schon absurd: auf der einen Seite wird das Kinderkriegen aus öffentlichen Mitteln subventioniert, weil man der Logik folgt, "Geld mache Kinder". 200 Milliarden EURO gibt der Staat ca. pro Jahr für ca. 155 verschiedene Transferleistungen für Eltern aus ! Logischerweise mitfinanziert von den vielen arbeitenden Kinderlosen ! Wird gerne vergessen !
      Damit liegt D an der europäischen Spitze.
      Kriegt blos niemand mehr Kinder deswegen. In anderen europäischen Ländern gibt es weniger Sozialleistungen bei höheren Geburtenraten !

      Auf der anderen Seite halbierte man vor einigen Jahren die Finanzierung von ART. Koppelt sie außerdem an an die Voraussetzungen eines tradierten Familienbildes. (hetero, verheiratet …)

      Worin liegt da der Sinn ?
      Die gesamte Familienpolitik ist widersprüchlich. Unausgegoren, nicht zielführend. Kopflos. Meine Meinung.

      Bei sich selber anfangen und sein Leben selbst-bewusst leben ist, denke ich auch, der Anfang von allem. Reichen tut das halt nicht, um Veränderungen zu bewirken.

      Ich glaube, dass "netzwerken" etwas ist, was sinnvoll ist. Ohne eigene Lobby hat es eine Minderheit immer schwer. Einzelkämpfer werden nichts ändern. Daher halte ich es auch für einen der größten Fehler, wenn sich die Kinderlosen selber auch noch in CBC und CNBC-Lager spalten oder spalten lassen. In anderen Ländern haben immerhin beide Gruppen jeweils ihre eigenen Lobbies, Plattformen, Netzwerke gegründet – und tauschen sich auch untereinander aus.
      In Deutschland gibt es bis heute nicht mal eine gemeinsame Plattform der gewollt Kinderlosen.
      It´s a long way für uns alle, wenn sich was änder soll, fürchte ich 🙂

      Zu optimistisch darf man glaube ich so oder so nicht sein: wir haben eine kinderlose Kanzlerin, wir hatten einen homosexuellen Aussenminister, die USA haben einen schwarzen Präsidenten. Das allein änderte in den Köpfen vieler, viele Menschen dennoch….nichts. Die Diskriminierung lebt einfach weiter.

      LG
      Isa

  2. Liebe Isa, das sind wieder mal klare Worte 🙂 Mich hat diese Art Hass-Liebe, die ich oft bei anderen Kinderwunschfrauen beobachtet habe, während meiner aktiven Kinderwunschzeit immer ratlos gemacht. Auf der einen Seite viel Gefühl des Ausgeschlossen seins, sich nicht verstanden fühlen. Viele fühlen sich während dieser Zeit in Gesellschaft kinderloser Freunde wohler. Gleichzeitig versuchen sie aber alles zu tun, um "auf die Seite der Mütter" zu kommen. Der Wunsch mit Kind endlich dort die Anerkennung zu finden ist bei einigen sehr groß. Gelingt ihnen das, vergessen sie schnell, was sie als Kinderlose selber so belastet und gestört hat und sie werden manchmal zu den ignorantesten Eltern überhaupt anderen Kinderlosen gegenüber. Sie leben die selbstempfunde ! Überlegenheit dann richtig aus.
    Gelingt ihnen das nicht, "drücken sie sich noch jahrelang die Nase an der Scheibe platt", wie Belle das beschrieben hat. Sie wollen nicht kinderlos sein und lehnen es innerlich so sehr ab, dass eine Weiterentwicklung im eigenen kinderlosen Leben total blockiert ist. Damit fühlen sie sich dann endgültig nirgendwo zugehörig. Die "immer Zerissenen" nenne ich sie.
    Franziskas Artikel habe ich auch gelesen. Danke für den Link. Leider kann ich dort nicht kommentieren ? Ich wollte fragen, wie sie das meint, dass ungewollt Kinderlose ein anderes Leben leben als gewollt Kinderlose ? Für mich würde ich das verneinen, spätestens seid ich den Kinderwunschweg verlassen habe. Etwas schwierig finde ich auch ihre Definition von Familie. Ein gewollt kinderloses Paar wird sich unter Umständen ebenso als "Familie" fühlen, ähnlich wie sie es für sich und ihren Mann beschreibt. Vielleicht liest sie meine Frage ja hier 🙂

    Viele Grüße an alle
    Annette

    1. Ich (Annette) wollte Pealotte noch was sagen: Ich flippe noch heute ab und zu aus 🙂 Aber viele dumme Kommentare prallen irgendwann wirklich nur noch ab.

    2. Liebe Annette,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine persönlichen Eindrücke, die ich zum Teil auch so beobachte. Die Ambivalenz haben phasenweise vermute ich sogar fast alle KiWus – wichtig für einen selber ist glaube ich, diese soweit aufzulösen oder zu integrieren, dass sie einer Entwicklung hin zur Akzeptanz der eigenen Lebensrealität nicht auf Dauer im Weg steht.

      Auch ich kann hin und wieder übrigens noch zumindest innerlich ausflippen, wenn ich auf völlig veblödete oder unverschämt-ignorante Haltungen treffe 🙂 Aber das ist selten geworden.
      In den meisten Fällen ziehe ich nur noch ne Augenbraue hoch und lasse den Kram bei dem, der ihn geäußert hat. Bei Einzeläußerungen ist das fast immer so. Mediale Verbreitungen von Stereotypen und politische Forderungen regen mich deutlich mehr auf.

      GLG,
      Isa

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